Deutsche Emissionshandelstelle (DEHSt) im Umweltbundesamt

Projektmechanismen der Vereinten Nationen

Letzte Aktualisierung 14.08.2026

Die Nutzung von Projektmechanismen – die Anrechnung von Minderungsergebnissen zwischen den Staaten und die internationale Anrechnung von Klimaschutzprojekten – ist ein wichtiges Klimaschutzinstrument. Einen detaillierten Überblick finden Sie auf dieser Seite.

Quelle: © Riccardo Niels Mayer – stock.adobe.com

Klimaschutz erfordert einen globalen Einsatz und weltweite Maßnahmen. Marktbasierte Instrumente, wie der Emissionshandel, senken Treibhausgase dort, wo es am kosteneffizientesten ist und unterstützen gleichzeitig die internationale Klimafinanzierung.

Auf internationaler Ebene sind solche Instrumente seit den 1990er-Jahren im Rahmen der Klimarahmenkonvention der Vereinten Nationen (UNFCCC) verankert und wurden zunächst unter dem Kyoto-Protokoll umgesetzt.

Mit dem Übereinkommen von Paris (ÜvP) wurde dieser Ansatz weiterentwickelt: Der neue Projektmechanismus nach Artikel 6 des ÜvP (Paris Agreement Crediting Mechanism, PACM) löst den CDM des Kyoto-Protokolls ab. Auf dieser Seite werden die Funktionsweise der internationalen Projektmechanismen unter Artikel 6 des ÜvP sowie ihre Bedeutung und deren Rolle für Deutschland erläutert.

Projektmechanismen des Kyoto-Protokolls

Das Kyoto-Protokoll wurde 1997 von der dritten Vertragsstaatenkonferenz der Klimarahmenkonvention der Vereinten Nationen (UNFCCC) angenommen. Es ist 2005 in Kraft getreten und stellt weltweit den ersten völkerrechtlich verbindlichen Vertrag zur Eindämmung des Klimawandels dar. Dieser verpflichtet die beteiligten Staaten, den Ausstoß klimaschädlicher Gase zu senken.

Das Kyoto-Protokoll bot zwei projektbasierte Mechanismen an: CDM sowie JI.

  • Klimaschutzprojekte des Mechanismus für umweltverträgliche Entwicklung (CDM) beruhten auf Artikel 12 des Kyoto-Protokolls. Industrieländer konnten ihren Minderungs- oder Stabilisierungsverpflichtungen nachkommen, indem sie CDM-Klimaschutzprojekte in weniger entwickelten Ländern finanzierten oder durchführten.

  • Klimaschutzprojekte der Gemeinsamen Umsetzung (JI) beruhten auf Artikel 6 des Kyoto-Protokolls und boten Industrieländern eine Möglichkeit, Treibhausgasemissionen in anderen Industrieländern zu mindern. Die erzielten Emissionsminderungen konnten auf die jeweiligen Verpflichtungen der beteiligten Staaten im Rahmen des Kyoto-Protokolls angerechnet werden. Auch Unternehmen konnten sich an JI-Projekten beteiligen und die daraus resultierenden Zertifikate nutzen. An JI-Klimaschutzprojekten durften sich grundsätzlich nur die in Annex B des Kyoto-Protokolls genannten Länder sowie Unternehmen mit Sitz in diesen Ländern beteiligen.

  • Am 31.12.2020 endete die zweite Verpflichtungsperiode (2013 bis 2020) des Kyoto-Protokolls. Damit laufen auch die Projektmechanismen CDM und JI aus; an ihre Stelle treten grundsätzlich die Kooperationsmechanismen nach Artikel 6 des Übereinkommens von Paris.

    Die bestehenden Regelungen bleiben also insbesondere für bis Ende 2020 registrierte Projekte relevant. Entsprechend stellte die deutsche im Umweltbundesamt als zuständige Stelle den Vollzug nach dem Projekt-Mechanismen-Gesetz (ProMechG) mit dem Ende ein.

    Weitere Informationen:

    Projekt-Mechanismen-Gesetz

  • Der CDM stand im Laufe seiner Anwendung in der Kritik. In mehreren Fällen wurde hinterfragt, ob die geförderten Projekte tatsächlich zusätzliche Emissionsminderungen bewirkten. Zudem kam es bei einzelnen Projektarten zu Überschätzungen von Emissionsminderungen. Auch soziale und ökologische Aspekte sowie der Beitrag zur nachhaltigen Entwicklung in den Gastländern wurden nicht immer ausreichend berücksichtigt.

    Darüber hinaus zeigte sich, dass die bestehenden Regelungen nicht in allen Fällen ausreichten, um Doppelzählungen von Emissionsminderungen zuverlässig zu vermeiden oder langfristige Risiken angemessen zu adressieren, beispielsweise bei Aufforstungsprojekten.

    Diese Erfahrungen aus der Umsetzung der Kyoto-Mechanismen sind in die Weiterentwicklung der internationalen Projektmechanismen eingeflossen. In einer vom Umweltbundesamt veröffentlichten Studie („Lessons Learned from the Kyoto Mechanisms for the Article 6.4 Mechanism“, 2024) werden die gewonnenen Erkenntnisse systematisch aufgearbeitet und Empfehlungen für den Paris Agreement Crediting Mechanism (PACM) abgeleitet.

    Weitere Informationen:

    Climate Change 02/2024: Lessons Learned from the Kyoto Mechanisms for the Article 6.4 Mechanism

Projektmechanismen des Übereinkommens von Paris

Rechtsgrundlagen auf einen Blick

Projektmechanismen der Vereinten Nationen

Zu Gesetzen und Verordnungen

Seit 2021 bildet das 2016 in Kraft getretene Übereinkommen von Paris (ÜvP) den internationalen Rahmen für den globalen Klimaschutz. Artikel 6 ÜvP sieht die Möglichkeit vor, marktbasierte Mechanismen für die internationale Zusammenarbeit zu nutzen. So sind die Projektmechanismen auch nach dem ÜvP weiter ein wichtiges Instrument zur Kooperation. Im Unterschied zum Kyoto-Protokoll verpflichten sich unter dem ÜvP alle Vertragsstaaten zu eigenen nationalen Klimaschutzbeiträgen (Nationally Determined Contributions, NDCs). Internationale Projektmechanismen müssen daher die Anrechnung von Emissionsminderungen zwischen Staaten berücksichtigen und Doppelzählungen vermeiden.

Artikel 6 des Übereinkommens von Paris

Artikel 6 des ÜvP schafft den Rahmen für freiwillige internationale Kooperationen im Klimaschutz. Staaten können dabei Minderungsergebnisse gemeinsam erzeugen, übertragen und zur Erfüllung ihrer national festgelegten Beiträge (NDCs) nutzen.

Schutz vor Doppelzählung

Paris-Abkommen
Quelle: MEDDE - Arnaud Bouissou

Ein zentrales Instrument des Artikel 6 ÜvP zur Vermeidung von Doppelzählung sind so genannte Corresponding Adjustments, also entsprechende buchhalterische Anpassungen bei der Anrechnung von Minderungsergebnissen. Sie werden relevant, wenn ein Minderungsergebnis international übertragen und von einem anderen Staat zur Erfüllung seines Klimaziels genutzt wird.

In diesem Fall nimmt das Gastland, in dem die Emissionsminderung erzielt wurde, eine entsprechende Anpassung vor: Es darf die übertragene Minderung nicht zusätzlich für die eigene Zielerreichung anrechnen. Das nutzende Land kann das Minderungsergebnis hingegen auf sein eigenes Klimaziel anrechnen. So wird verhindert, dass dieselbe Emissionsminderung zweimal gezählt wird.

Anders als unter dem Kyoto-Protokoll sind unter dem ÜvP alle Vertragsstaaten verpflichtet, eigene nationale Klimaschutzbeiträge (NDCs) vorzulegen und Klimaschutzmaßnahmen zu ihrer Umsetzung zu verfolgen. Eine Emissionsminderung, die durch ein Projekt in einem Gastgeberland erzielt wird, trägt daher zunächst zur Erfüllung des NDC dieses Landes bei. Wird dieselbe Minderung anschließend international übertragen und von einem anderen Staat oder einem anderen Akteur für ein eigenes Klimaziel in Anspruch genommen, besteht die Gefahr, dass der Klimaschutzeffekt mehrfach angerechnet wird. Besonders relevant ist dabei die sogenannte doppelte Inanspruchnahme: Das Gastgeberland berücksichtigt die Minderung in seiner nationalen Klimabilanz, während zugleich der Erwerber des Minderungsergebnisses denselben Klimaschutzeffekt für sein Ziel geltend macht.

Die drei Ansätze des Artikel 6

Der Artikel 6 des ÜvP etabliert drei Ansätze für einen internationalen Kohlenstoffmarkt:

  1. Kooperationen zur Verwendung international übertragener Minderungsergebnisse zum Erreichen der national festgelegten Beiträge in Verantwortung der beteiligten Staaten (in Artikel 6.2)
  2. International überwachter Mechanismus zur Minderung von Emissionen in einem Land mit Transfer der Minderungsergebnisse und Unterstützung der nachhaltigen Entwicklung mit zusätzlicher Minderung der weltweiten Emissionen (in Artikel 6.4)
  3. Nicht-marktbasierte Ansätze zur Förderung auf dem Gebiet der Minderung und der Anpassung (in Artikel 6.8)

Mit diesen drei Ansätzen soll es gelingen, die Belange aller Länder nach internationalen Kooperationsmöglichkeiten im Kohlenstoffmarkt abzudecken. Die Mechanismen stehen allen Ländern zur Erreichung der übergreifenden Ziele des ÜvP zur freiwilligen Nutzung zur Verfügung. Dadurch können Minderungsergebnisse aus Klimaschutzprojekten zwischen Staaten für die Anrechnung vereinbarter Ziele übertragen und genutzt werden.

Der Paris Agreement Crediting Mechanism (PACM)

Der Paris Agreement Crediting Mechanism (PACM) ist der neue projekt- und programmbezogene Mechanismus unter Artikel 6.4 des Übereinkommens von Paris. Er knüpft an Erfahrungen mit dem CDM des Kyoto-Protokolls an, geht aber über diesen hinaus.

Über den PACM können Klimaschutzaktivitäten registriert werden, die zu überprüfbaren Emissionsminderungen oder Entnahmen von Treibhausgasen führen. Für diese können Gutschriften ausgestellt werden. Diese können unter bestimmten Voraussetzungen von Staaten zur Erfüllung ihrer NDCs genutzt werden. Auch private Akteure, beispielsweise Fluggesellschaften, kommen als Abnehmer dieser Minderungsgutschriften in Betracht.

Von zentraler Bedeutung ist ein robustes Anrechnungssystem. Dazu gehören klare Anforderungen an Zusätzlichkeit, Methodologien, Überwachung, Berichterstattung, Verifizierung und die Vermeidung von Doppelzählung. Corresponding Adjustments spielen dabei eine wichtige Rolle, wenn Gutschriften international übertragen und auf Klimaziele angerechnet werden.

Mit der Genehmigung erster Methodologien und der erstmaligen Ausgabe von Emissionsgutschriften im Februar 2026 ist der PACM nun auch praktisch operativ. Projektaktivitäten können entweder als neue Aktivitäten nach Artikel 6.4 des Übereinkommens von Paris registriert oder unter bestimmten Voraussetzungen aus dem CDM in den PACM überführt werden.

Weitere Informationen:

UNFCCC: Transition of CDM activities

Unsere Forschungsergebnisse zu Artikel 6

  • Das Forschungsvorhaben „Stärkung der transformativen Wirkung von Marktansätzen unter dem Paris Übereinkommen“ (Forschungskennzahl 3719 42 504 0) analysierte und erbeitete Voraussetzungen für Artikel 6 des ÜvP. Dabei setzte es einen Fokus auf stärkere transformative Ansätze. Diese sollten möglichst so gestaltet und angewendet werden, dass Transformationspfade ambitioniert eingeschlagen und beibehalten werden.

    Das Forschungsteam definierte im Vorhaben den Begriff Transformation beziehungsweise transformativen Wandel: „Ein grundlegender, nachhaltiger Wandel eines Systems, der etablierte kohlenstoffintensive Praktiken beendet und zu einer emissionsfreien Gesellschaft beiträgt, im Einklang mit dem Ziel des Pariser Abkommens, die Globale Erwärmung auf 1,5 bis 2 °C zu begrenzen, und den Nachhaltigkeitszielen der Vereinten Nationen".

    Vier Merkmale sind für die Ziele von Artikel 6 besonders relevant: "Digitalisierung", "Privatsektor und Regierungen", "Kohlenstoffpreisgestaltung" und "dynamische Baselines".

    Climate Change 40/2022: Promoting transformational change through carbon markets

  • Das Vorhaben „Anpassung der Clean Development Mechanism-Methodiken zur Anwendung im Rahmen von Artikel 6 des Pariser Abkommens“ umfasst einen Bericht als „Lessons Learned“ sowie einen Abschlussbericht. Die Lessons Learned geben die wichtigsten Erkenntnisse aus den projektbasierten Mechanismen des Kyoto-Protokolls wieder. Während der Abschlussbericht weitere Analysen beinhaltet, inwiefern existierende Methodiken für die Bestimmung der Zusätzlichkeit (Additionality) und der Referenzfälle sowie das Monitoring für die Anwendung unter dem Artikel 6.4-Mechanismus angepasst werden können.

    Climate Change 01/2024: Adapting CDM methodologies for use under Article 6 of the Paris Agreemen

    Climate Change 02/2024: Lessons Learned from the Kyoto Mechanisms for the Article 6.4 Mechanism

  • Aus einem weiteren Forschungsvorhaben „Analyse der Rolle von Artikel 6 in den NDCs der Vertragsstaaten“ ist ein umfangreiches Factsheet entstanden. Es untersucht die Rolle von Artikel 6 des ÜvP in den national festgelegten Beiträgen (engl. Nationally Determined Contributions (NDCs)), die die Vertragsstaaten bei der Klimarahmenkonvention eingereicht haben. Die Ergebnisse zeigen, dass im Allgemeinen eine beträchtliche Offenheit gegenüber Artikel 6 besteht, wobei die Absicht, Einheiten zu kaufen, deutlich geringer ist als die Bereitschaft, solche Einheiten zu verkaufen.

    Climate Change 03/2024: Analysis of the role of Article 6 in Parties’ NDCs

  • Ein vom Umweltbundesamt beauftragtes Forschungsvorhaben „Using Article 6 to raise climate ambition“ hat untersucht, wie Deutschland die Kooperationsmechanismen nach Artikel 6.2 des ÜvP nutzen kann, um die klimapolitische Ambition zu erhöhen. Identifiziert wurden unter anderem Optionen zur Unterstützung langfristiger Klimastrategien, zur Nutzung internationaler Emissionsminderungen im nationalen Emissionshandel, zur Bereitstellung hochwertiger Einheiten für die internationale Luftfahrt (), zur gezielten Förderung von Klimafinanzierung sowie zur Unterstützung von Akteuren des freiwilligen Kohlenstoffmarkts beim Zugang zu qualitativ hochwertigen Gutschriften. Besonders großes Potenzial sieht das Forschungsvorhaben bei freiwilligen Nutzungsoptionen, da diese vergleichsweise einfach umzusetzen sind und gleichzeitig die ökologische Integrität wahren können.

    Climate Change 10/2026: Using Article 6 to raise climate ambition

    Luftverkehr (EU-ETS 1 und CORSIA)

Die Rolle der Artikel 6-Mechanismen für Deutschland

Deutschland erteilt derzeit keine Autorisierungen (Letters of Authorization, LoA) für Corresponding Adjustments (CA) nach Artikel 6. Die nationalen Emissionsreduktionen werden vollständig zur Erreichung der eigenen Klimaziele (NDC) benötigt und stehen daher nicht für internationale Zertifikatströme oder private nationale Zwecke zur Verfügung.

Gleichzeitig kann die Europäische Union ab 2036 hochwertige internationale Gutschriften in begrenztem Umfang zur Erreichung ihres Klimaziels für 2040 nutzen. Abgesehen davon können private und öffentliche Akteure international autorisierte Artikel 6 Gutschriften zur Kompensation ihrer Emissionen nutzen.

Weltklimakonferenzen im Überblick

Unter Weltklimakonferenzen sind die jährlich stattfindenden Vertragsstaatenkonferenzen (COP) der UN-Klimarahmenkonvention zu verstehen. Auch werden diese oft UN-Klimakonferenz oder (Welt-) Klimagipfel genannt. Von 2005-2017 ist die Konferenz um das Treffen der Mitglieder des Kyoto-Protokolls ergänzt worden (Conference of the Parties serving as the meeting of the Parties to the Protocol, COP/MOP, kurz CMP), seit 2018 um das der Mitglieder des Übereinkommens von Paris (COP to the Paris Agreement, kurz CMA).

Übersicht UN Klimakonferenzen
Weltkarte mit den Veranstaltungsorten der UN-Klimakonferenzen Quelle: eigene Darstellung / © pyty - stock.adobe.com

Hier stellen wir Ihnen seit dem ÜvP – COP 21 im Jahr 2015 – die weiteren Klimakonferenzen im Zusammenhang mit den Projektmechanismen vor.

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