Deutsche Emissionshandelsstelle

Emissionsberechtigungen und Kyoto-Zertifikate

Emissionsberechtigungen (EU-Allowances, EUA) sind Berechtigungen des EU-Emissionshandelssystems. Deren Äquivalente im internationalen Kontext auf UN-Ebene werden als Kyoto-Zertifikate bezeichnet, von denen es unterschiedliche Typen gibt.

Ausgabe der Emissionsberechtigungen

Betreiber, die einen positiven Zuteilungsbescheid erhalten haben erhalten jährlich durch uns eine Teilmenge Emissionsberechtigungen. Anlagenbetreiber erhalten 0-5 EUA (General Allowances, auch als Chapter-III-Allowances bezeichnet), Luftfahrzeugbetreiber 0-6 aEUA (Aviation Allowances oder Chapter-II-Allowances genannt).

Die Emissionsberechtigungen sind innerhalb der Handelsperiode gültig, für die sie ausgegeben wurden. Das bedeutet, dass die EUA/aEUA unabhängig davon in welchem Jahr sie ausgegeben wurden, für jedes Jahr der entsprechenden Handelsperiode abgegeben werden können. Für welche Handelsperiode die Berechtigungen gültig sind, spezifiziert ein Element der Seriennummer, das im Unionsregister angezeigt wird.

Nach Ablauf der Handelsperiode 2008-2012 wurden EUA/aEUA, die nicht zur Abgabe genutzt oder gelöscht worden sind automatisch durch EUA/aEUA der neuen Handelsperiode 2013-2020 ersetzt.

01.12.2016

Detaillierte Erläuterungen zu den Eigenschaften der unterschiedlichen Zertifikatstypen

EUA und aEUA können nur auf EU-Konten gehalten werden

Zwischen den Konten des EU-ETS- und des Kyoto-Bereichs im Unionsregister (oder anderer Kyoto-Register) können nur Transaktionen mit CER und ERU (oder anderer Kyoto-Zertifikatstypen) stattfinden. Transaktionen mit 0-5 EUA (Emissionsberechtigungen, General allowances) und 0-6 aEUA (Luftverkehrsberechtigungen, Aviation allowances) sind ausschließlich auf den EU-ETS-Bereich beschränkt. Das heißt, sie können nur auf Konten gehalten werden, deren Kontokennung mit EU-100 beginnt.

01.12.2016

Nutzung von CER und ERU im EU-ETS

Umtauschtransaktion

Damit 3-0 ERU und 5-0 CER im EU-ETS nutzbar sind, müssen sie im Unionsregister zuvor in 0-5 EUA bzw. 0-6 aEUA umgetauscht werden. Dies erfolgt nicht automatisch, sondern muss von den Kontobevollmächtigten veranlasst werden.

Im Unionsregister wird der Antrag auf Umtausch durch eine Transaktion von einem Anlagen- oder Luftfahrzeugbetreiberkonto auf ein bestimmtes Umtauschkonto veranlasst. Im Gegenzug werden dem Ursprungskonto 0-5 EUA (wenn die Umtauschtransaktion von einem Anlagenkonto aus erfolgte) bzw. 0-6 aEUA (wenn die Umtauschtransaktion von einem Luftfahrzeugbetreiberkonto aus erfolgte) in gleicher Anzahl gutgeschrieben. Von Personenkonten, Händlerkonten oder ehemaligen Anlagenkonten im nationalen Kyoto-Register ist eine Umtauschtransaktion nicht möglich.

Obergrenzen für den Umtausch von CER und ERU

Anlagen- und Luftfahrzeugbetreiber können im Unionsregister im EU-ETS gültige CER und ERU bis zu der für sie festgelegten Obergrenze in EUA respektive aEUA umtauschen. Die Obergrenze bemisst sich nach der „Verordnung zur Festlegung der Verwendungsrechte von Internationalen Gutschriften“ (RICE, Verordnung (EU) 1123/2013). Die jeweils erlaubte Obergrenze ist für jeden Anlagen- bzw. Luftfahrzeugbetreiber direkt im Unionsregister einsehbar.

Sofern sich die erlaubte Obergrenze für eine Anlage ausschließlich aus den verifizierten Emissionen der dritten Handelsperiode errechnet, kann ein Umtausch erst nach Eintrag und Bestätigung der verifizierten Emissionen für das aktuelle Berichtsjahr im Unionsregister erfolgen. Die Obergrenze für diese Anlagen liegt bei 4,5 Prozent ihrer geprüften Emissionen im Zeitraum 2013-2020 (gemäß Artikel 1 Absatz 2 RICE). Für alle anderen Anlagen bleibt der verbliebene Nutzungsanspruch von CER und ERU aus der zweiten Handelsperiode (2008-2012) grundsätzlich bis 2020 bestehen (gemäß Artikel 1 Absatz 1 RICE).

Im Unionsregister wird für Anlagen automatisch die höhere Obergrenze ausgewiesen, sofern der Anspruch nach den Vorgaben der RICE entweder aus dem Nutzungsanspruch in der zweiten Handelsperiode (2008-2012) oder den verifizierten Emissionen dieser Anlage in der dritten Handelsperiode (2013-2020) errechnet wird (gemäß Artikel 1 Absätze 3 und 4 RICE).

Die Obergrenze für Luftfahrzeugbetreiber liegt bei 1,5 Prozent ihrer verifizierten Emissionen im Zeitraum 2013-2020 (gemäß Artikel 1 Absatz 5 RICE). Nicht genutzte Ansprüche von Luftfahrzeugbetreibern aus dem Jahr 2012 werden automatisch übertragen. 2012 lag die Obergrenze für Luftfahrzeugbetreibern bei 15 Prozent ihrer verifizierten Emissionen.

Verordnung zur Festlegung der Verwendungsrechte für internationale Gutschriften

Veröffentlichung der deutschen ICE-Tabelle

Als zuständige Stelle haben wir eine Anlagenliste veröffentlicht, in der die anfänglichen Obergrenzen für den Umtausch von CER und ERU genannt werden (so genannte ICE Table oder ICE-Tabelle).

Die Veröffentlichung erfolgte nach den Vorgaben der RICE. Daher wurden in der veröffentlichten ICE-Tabelle keine Luftfahrzeugbetreiber berücksichtigt. Deren Obergrenze errechnet sich aus den geprüften Emissionen im Zeitraum 2012-2020. Außerdem wurden auch solche Anlagen nicht in der Veröffentlichung berücksichtigt, deren Obergrenze sich nach den Vorgaben der RICE zwingend aus den geprüften Emissionen im Zeitraum 2013-2020 ableitet.

Die veröffentlichte ICE-Tabelle enthält also nur stationäre Anlagen, die bereits in der zweiten Handelsperiode einen Anspruch auf Nutzung von CER und ERU erlangt hatten. Die ausgewiesene Obergrenze je Anlage gibt den durch die Europäische Kommission genehmigten anfänglichen Gesamtanspruch für den Zeitraum 2008-2020 wider. Bitte beachten Sie, dass sich der aktuell bestehende Anspruch auf den Umtausch von CER und ERU ausschließlich aus dem im Unionsregister ausgewiesenen Sachstand ableitet.

Geregelt ist dies in der EU-Verordnung 1123/2013 (RICE).

Im EU-ETS nicht erlaubte Projekte

Im Artikel 11a Absatz 1 bis 5 der Emissionshandelsrichtlinie 2003/87/EG (EHRL) ist die Verwendbarkeit von CER und ERU aus bestimmten Handelsperioden und Projekten geregelt. CER und ERU aus folgenden Projekten werden im EU-ETS seit 01.05.2013 zur Abgabe oder zum Umtausch nicht anerkannt:

CER und ERU aus HFC-23- und Adipinsäure-Projekten
ERU, die nach dem 30.04.2013 erzeugt wurden und Emissionsreduktionen aus 2008-2012 zum Gegenstand haben sowie aus JI-Projekten stammen, die Aktivitäten zuzuordnen sind, die 2013 im EU-ETS neu hinzugekommen sind
ERU, die ab dem 01.01.2013 erzeugt wurden und Emissionsreduktionen aus 2008-2012 zum Gegenstand haben sowie von einem Land erzeugt wurden, das keine Kyoto-Verpflichtung für 2013-2020 eingegangen ist und ferner das Projekt nach dem Track-1-Verfahren nicht von einer Accredited Independent Entity (AIE) verifiziert wurde.

CER und ERU der 2. Kyoto-Verpflichtungsperiode von 2013-2020 können - über die oben genannten Einschränkungen hinaus - im EU-ETS nur in zwei Fällen zum Umtausch genutzt werden: Wenn die CER oder ERU aus Projekten stammen, die bereits vor dem 01.01.2013 registriert waren oder wenn sie aus ab 2013 registrierten Projekten in Least Developed Countries (LDC) (LDC) stammen.

Beachten Sie bitte hierzu die detaillierten Erläuterungen der EU-Kommission zur Nutzung von CER und ERU.

Ebenso hat die EU-Kommission Positiv- und Negativlisten internationaler Projekte veröffentlicht und aktualisiert diese regelmäßig. Die „General Positiv List“ enthält die Projektnummern im EU-ETS gültiger JI- und CDM-Projekte. Die „Specific Positiv List“ enthält neben den Projektnummern auch den Start- und Endblock der Seriennummern, für den Fall, dass das betreffende Projekt nicht generell gültig ist, sondern die Gültigkeit auf bestimmte Seriennummern begrenzt ist. Damit CER und ERU im EU-ETS umgetauscht werden können, müssen sie auf einer der beiden Positiv-Listen enthalten sein. Die veröffentlichte Version der Specific Positiv List enthält aufgrund von Regelungen in der Registerverordnung keine Seriennummern.

Kyoto-Banking von CER und ERU

CER und ERU aus 2008-2012 mussten bis spätestens 31.03.2015 umgetauscht sein, um sie im EU-ETS nutzen zu können. Dadurch ist das Kyoto-Banking von CER und ERU für das EU-ETS bedeutungslos geworden. CER und ERU, die das Kyoto-Banking durchlaufen haben, sind danach in der 2. Kyoto-Verpflichtungsperiode 2013-2020 im Kyoto-System wieder gültig, aber im EU-ETS generell nicht für einen Umtausch verwendbar.

Zur Nutzung von CER und ERU der 2. Kyoto-Verpflichtungsperiode von 2013-2020 beachten Sie bitte unser Fact Sheet zum Thema.

Abgabe von Emissionsberechtigungen

Anlagen- und Luftfahrzeugbetreiber müssen bis zum 31.03. jedes Jahres den verifizierten Emissionsbericht über ihre Emissionen des Vorjahres direkt der DEHSt übermitteln.

Die Prüfstellen müssen bis zum 31.03. die geprüften Emissionen für das Vorjahr für die Anlage oder den Luftfahrzeugbetreiber im entsprechenden Konto des Unionsregisters eintragen. Damit die Prüfstelle dies tun kann, ist es notwendig, dass die Betreiber ihrem Konto im Unionsregister die Prüfstelle zuordnen. Diese hat dann die Zuordnung zu bestätigen und kann anschließend die Eintragung vornehmen beziehungsweise eine Eintragung bestätigen.

Bis zum 30.04. eines Jahres muss der Anlagenbetreiber oder der Luftfahrzeugbetreiber eine Anzahl an Berechtigungen abgeben, die den tatsächlichen Emissionen (in Tonnen) des Vorjahres entspricht. Dies geschieht in Form einer gesondert gekennzeichneten Transaktion (Abgabe) aus entsprechenden Anlagen- oder Luftfahrzeugbetreiberkonten.

Anlagenbetreiber können 0-5 EUA zur Abgabe verwenden. Luftfahrzeugbetreiber können darüber hinaus auch 0-6 aEUA einsetzen.

01.12.2016

Online Services