Deutsche Emissionshandelsstelle

Nationalen Emissionshandel verstehen

Angesichts der großen Herausforderung, die der Klimawandel wegen der Emissionen von Treibhausgasen für die heutigen und künftigen Generationen darstellt, hat sich Deutschland nach dem Übereinkommen von Paris auf europäischer Ebene zu ambitionierten Klimaschutzzielen verpflichtet. Mit dem am 18.12.2019 in Kraft getretenen Bundesklimaschutzgesetz wurden diese Klimaschutzziele in Deutschland erstmals gesetzlich verankert, um den Anstieg der globalen Durchschnittstemperatur auf deutlich unter zwei Grad Celsius und möglichst auf 1,5 Grad Celsius gegenüber dem vorindustriellen Niveau zu begrenzen.

Quelle: ©Kaspars Grinvalds - stock.adobe.com

Erklärfilm zum nationalen Emissionshandel

Unser Erklärfilm zeigt die Funktionsweise des nationalen Emissionshandels und verdeutlicht seine positive Auswirkung auf den Klimaschutz.

Warum braucht Deutschland den nationalen Emissionshandel (CO2-Preis)?

Das durch Menschen produzierte Kohlendioxid (CO2) in der Atmosphäre trägt erheblich zum Klimawandel bei. Die Europäische Union hat deshalb im Jahr 2005 den Europäischen Emissionshandel (EU-ETS) eingeführt, um so die Emissionen von Treibhausgasen von Kraftwerken, Industrieanlagen und des Luftverkehrs zu vermindern. Für die Emissionen außerhalb der Sektoren, die vom EU-ETS erfasst sind, fehlte in Deutschland bislang ein finanzieller Anreiz zur Emissionsminderung. Deshalb begann im Jahr 2021 als Ergänzung ein nationales Emissionshandelssystem (nEHS), das die Bereiche Wärmeerzeugung und Verkehr umfasst. In diesen Sektoren entstehen viele klimaschädliche Emissionen durch die Verbrennung fossiler Energieträger.

Damit der CO2-Preis seine volle Wirkung entfalten kann, ohne dass der Preis die Beteiligten überfordert, ist seine Einbettung in einen klugen Instrumentenmix erforderlich. Komplementäre energie-, verkehrs- oder klimapolitische Instrumente können zu Emissionsminderungen führen und so helfen, den CO2-Preis zu senken. Solche Politikinstrumente können gezielt Marktbarrieren und -hemmnisse des CO2-Preises abbauen.

Die deutsche Emissionshandelsstelle (DEHSt) im Umweltbundesamt ist für die Umsetzung des nationalen Emissionshandels zuständig.

Wie funktioniert der Emissionshandel?

Der Europäische und der nationale Emissionshandel machen es für alle Teilnehmenden attraktiv, in Klimaschutz zu investieren. Beide Systeme funktionieren nach dem Prinzip „Begrenzen und Handeln“ („Cap and Trade“). Dabei wird politisch entschieden, wie viele Treibhausgase von allen Teilnehmenden zusammen ausgeschieden werden dürfen („Cap“). Eine Höchstgrenze für die einzelnen Teilnehmer gibt es nicht.

Jeder, der die Luft mit Treibhausgasen belastet, zahlt für jede Tonne CO2 einen Preis, indem er dafür Zertifikate erwirbt.

Der Preis für diese Zertifikate entsteht durch Handel („Trade“) am Markt. Je weniger Ausstoß von Treibhausgasen erlaubt ist, desto knapper und damit teurer werden die Zertifikate. Steigt der Preis, wird auch der finanzielle Anreiz immer größer, einerseits CO2-Emissionen zu vermeiden und andererseits in Klimaschutzmaßnahmen zu investieren.

Wie unterscheiden sich der Europäische und der nationale Emissionshandel?

Der Europäische Emissionshandel setzt dort an, wo die Emissionen in Industrie, in Kraftwerken und im Flugverkehr entstehen.
Anlagenbetreiber oder Luftfahrgesellschaften müssen Zertifikate für die Emissionen erwerben, die sie verursachen (sogenannter „Downstream“-Emissionshandel).

Das nationale Emissionshandelssystem hat einen anderen Ausgangspunkt: Es verpflichtet die Inverkehrbringer von Brennstoffen zum Erwerb von Verschmutzungsrechten in Form von Zertifikaten (sogenannter „Upstream“-Emissionshandel). Sie zahlen also für die Emissionen, die durch das spätere Verbrennen der Brennstoffe entstehen.

Die verschiedenen Ansatzpunkte der beiden Systeme erklären sich durch die einbezogenen Sektoren. Die Sektoren Verkehr und Wärme umfassen sehr viele Emittenten, zum Beispiel Autofahrer und Hausbesitzer, deren Heizungen fossile Brennstoffe benötigen.
Damit diese Personen nicht alle direkt am nationalen Emissionshandel teilnehmen müssen, werden die Inverkehrbringer zur Teilnahme verpflichtet. Sie geben die Mehrkosten dann an die Verbraucher* innen weiter.

Der Europäischen Emissionshandel hat im Vergleich viel weniger Akteure, die deshalb direkt teilnehmen. Einige Unternehmen werden aufgrund ihrer Handlungsfelder von beiden Emissionshandelssystemen erfasst. Für diesen Fall gibt es zwei Mechanismen, die eine Doppelbelastung ausschließen. Inverkehrbringer können beim Verkauf von Brennstoffen an Unternehmen, die bereits vom EU-ETS erfasst sind, ihre Abgabeverpflichtungen reduzieren. Damit entfallen die CO2-Kosten der Brennstoffmengen für diese Anlagen. Als weitere Option können Unternehmen, die von beiden Systemen erfasst werden, einen Ausgleich bei der DEHSt beantragen.

Wie wird das Mengenziel der Treibhausgasemissionen bestimmt?


Die Menge der Treibhausgase, die von allen Teilnehmenden am Emissionshandel emittiert werden darf („Cap“), setzt sich aus der Basis und der Erhöhungsmenge zusammen. Die Basismenge ergibt sich aus Minderungsverpflichtungen Deutschlands aus der EU-Klimaschutzverordnung und betrifft alle CO2-Emissionen, die außerhalb des Europäischen Emissionshandels entstehen.

Einige Unternehmen unterliegen sowohl dem nationalen wie auch dem Europäischen Emissionshandel. Diese doppelt erfassten Emissionen werden bei der Berechnung der Basismenge nicht berücksichtigt. Darum werden zusätzliche Zertifikate im entsprechenden Umfang im nEHS als Erhöhungsmenge bereitgestellt.

Welche Brennstoffe fallen unter das nationale Emissionshandelssystem?




Es werden alle Brennstoffe des Energiesteuergesetzes in den nationalen Emissionshandel einbezogen. Dazu zählen Benzin, Diesel, Heizöl, Flüssiggas, Erdgas und ab 2023 neben anderen, auch Kohle. Auch Biomasse, die die Nachhaltigkeitskriterien nicht erfüllt, ist betroffen.

Die Gemeinsamkeit dieser Stoffe: Werden sie verbrannt, entstehen klimaschädliche Emissionen.

Wie hoch fällt der CO2-Preis aus?


Um allen Akteuren während der Einführungsphase des nationalen Emissionshandels Planungssicherheit zu gewähren, startet das System mit einer Festpreisphase. In diesem Zeitraum sind die Preise für die Zertifikate bereits festgesetzt.

Ab 2026 gehen die Festpreise für CO2 in einen Preiskorridor über.

Zertifikate werden dann zwischen einem Mindestpreis (55 Euro pro Tonne CO2) und einem Höchstpreis (65 Euro pro Tonne CO2) auktioniert. Innerhalb dieser vorgegebenen Spanne bildet sich der Preis je nach Nachfrage am Markt.

Im Jahr 2025 wird im Rahmen einer Evaluierung über die künftige Art der Preisbildung entschieden.

Wie betrifft der nationale Emissionshandel Verbraucher*innen?

Bürger*innen, die mit fossilen Brennstoffen zum Beispiel heizen oder Auto fahren, nehmen nicht direkt am nationalen Emissionshandel teil. Stattdessen sind die Inverkehrbringer dieser Brennstoffe zur Teilnahme verpflichtet, die ihre Mehrkosten an die Verbraucher*innen weitergeben.

Durch die steigenden Preise wird es für die Kunden und Kundinnen lohnender, ihren Verbrauch zu senken – zum Beispiel durch Sanierung ihrer Gebäude, den Umstieg auf ein Elektroauto oder den Einbau einer energieeffizienten und umweltfreundlicheren Heizung. Dies führt wiederum zu weniger Treibhausgas-Emissionen.

So leistet der nationale Emissionshandel einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz.

Mit welchen Kosten müssen Verbraucher*innen durch den CO2-Preis rechnen?

Um allen Teilnehmern des nationalen Emissionshandels Planungssicherheit zu gewährleisten, wird die jährliche Erhöhung der CO2-Preise für die ersten Jahre festgelegt. Ab 2026 werden die Zertifikate dann versteigert und der Preis bildet sich frei am Markt.

Werden Verbraucher*innen beim Umstieg auf klimafreundliche Technologien unterstützt?

Durch den nationalen Emissionshandel wird die Nutzung fossiler, klimaschädlicher Rohstoffe wie Öl oder Gas teurer.

Dies macht den Einsatz klimaschonender Technologien immer attraktiver. Die Bundesregierung unterstützt Verbraucher*innen mit einer Vielzahl von Förderprogrammen beim Umstieg auf energieeffiziente und umweltfreundliche Technologien. So wird die Anschaffung eines Elektroautos mit der Innovationsprämie für Batterieelektro- oder Brennstoffzellenfahrzeuge gefördert.

Der KfW-Kredit „Erneuerbare Energien“ unterstützt bei der Anschaffung einer Photovoltaik-Anlage.

Weitere KfW-Förderungen gibt es für die Wärmedämmung und eine ebenfalls geförderte Energieberatung identifiziert energetische Schwachstellen am Gebäude. Die Förderdatenbank des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie zeigt Verbraucher*innen den Weg zu den passenden Angeboten.

Wird der Emissionshandel für Wärme und Verkehr auch europaweit eingeführt?

Deutschland macht mit der Einführung einer CO2-Bepreisung keinen nationalen Alleingang, sondern reiht sich ein in die wachsende Zahl auch europäischer Nachbarstaaten wie Schweden, Dänemark oder Frankreich, die einen solchen Weg bereits erfolgreich beschreiten. Im Zuge der Anhebung des europäischen Klimaschutzziels wird auf EU-Ebene auch über die Ausweitung der CO2-Bepreisung auf die Sektoren Wärme und Verkehr diskutiert.

Ob und bis wann ein entsprechendes europäisches System etabliert wird, ist noch offen. Die nationale CO2-Bepreisung kann aber perspektivisch in einem gemeinsamen EU-Emissionshandel für Wärme und Verkehr aufgehen.

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