Deutsche Emissionshandelsstelle

Projektentwicklung

Unter dem Clean Development Mechanism (CDM) können Emissionsreduktionen zertifiziert werden. Quelle dieser so genannten Certified Emission Reductions (CERs) sind Einzelprojekte, gebündelte Projekte oder Programme. Hierzu werden die Treibhausgas (THG) Emissionen eines hypothetischen Referenzszenarios („Baseline“) mit den THG-Emissionen des CDM-Szenarios verglichen.

CDM-Projekte und Programme (PoAs)

Umfasst das CDM-Projekt etwa die Installation eines Windparks, so wird der Emissionsfaktor je Einheit erzeugter Energie des bisherigen Strom-Mixes im nationalen Netz als Baseline angenommen. Im Projektszenario wird Energie aus erneuerbarer Energie erzeugt – die THG-Reduktionen je erzeugter Einheit Energie umfassen daher die Differenz zwischen den Emissionen des Referenz- und des Projektszenarios.

CDM-Projekte können für verschiedene Maßnahmen und unter Verwendung diverser Techniken durchgeführt werden. Spezifische Regelungen für einzelne Projekttypen sind in so genannten „Methodologien“ festgelegt, unter anderem zur Bestimmung von Referenzszenario und Projektemissionen sowie von Messverfahren. Unterschieden werden ferner Groß-, Klein- und Kleinstprojekte (large, small und micro scale). Für Klein- und Kleinstprojekte gelten vereinfachte Regelungen, etwa hinsichtlich der Zusätzlichkeitsprüfung. Auch gibt es hier gesonderte und weniger komplexe Methodologien.

Unter dem CDM können unterschiedlich lange Zertifizierungsperioden gewählt werden. Entweder wird die Laufzeit auf einmalig zehn Jahre bestimmt, oder sie beträgt sieben Jahre mit der Option der zweimaligen Verlängerung auf bis zu 21 Jahre. Programmatische Projekte können eine Laufzeit von bis zu 28 Jahren umfassen.

25.06.2012

Programmatischer CDM

Quelle: myclimate - The Climate Protection Partnership

Neben konventionellen Einzelprojekten können unter dem Clean Development Mechanism (CDM) seit 2007 auch Programme, so genannte Progammes of Activities (PoA), durchgeführt werden. Hierunter wird die Schaffung eines Rahmenprogrammes für Treibhausgas (THG) -Reduktionen verstanden, unter welchem beliebig viele Einzelprojekte durchgeführt werden können.

Für viele kleinere und Kleinstprojekte sind die mit der Projektentwicklung verbundenen Transaktionskosten bei einer Durchführung als Einzelprojekt prohibitiv hoch oder die zu erwartenden THG-Reduktionen sind zu gering, sodass sich eine Entwicklung als Einzelprojekt nicht rechnet. Durch die Möglichkeit viele kleinere CDM-Aktivitäten (CDM Programme Activities, CPA) zu einem Programm hinzuzufügen, reduzieren sich die spezifischen Reduktionskosten per Aktivität. Die unter dem PoA aggregierten THG-Reduktionen einzelner Kleinstprojekte können gemeinsam ein signifikantes Niveau erreichen.

PoAs sind nicht auf einzelne Gastgeberländer beschränkt, sondern können multinational gestaltet werden und somit auch ganze Regionen abdecken. Für die Nutzung von Gutschriften aus PoAs im EU Emissionshandel gelten die gleichen Regelungen wie für Gutschriften aus CDM-Einzelprojekten. Gesonderte Regeln für PoAs bestehen hinsichtlich des Nachweises der Zusätzlichkeit (Additionality) oder der Rolle von Sachverständigen (DOEs).

Standardisierte Baselines

Die individuelle Erstellung von Referenzszenarien ist für Projektentwickler mitunter mit erheblichem Aufwand für die Datenrecherche und Emissionsminderungsberechnungen verbunden. Um den Clean Development Mechanism (CDM) diesbezüglich attraktiver zu machen, gestattet der CDM-Exekutivrat die Anwendung standardisierter Referenzszenarien, so genannter standardisierter Baselines (SBL).

Diese standardisierten Baselines beziehen sich sowohl auf die Bestimmung des Referenzfalls als auch auf die Definition der Zusätzlichkeit (Additionality). Wird die Emissionsreduktion eines CDM-Projekts mit einer standardisierten Baselines berechnet, erfordert dies weniger projektspezifische Daten. Das verringert die Transaktionskosten und die methodologischen Unsicherheitsfaktoren eines CDM-Projekts. Insbesondere CDM-Projekte in bisher unterrepräsentierten Regionen und bisher nur schwer umsetzbare Projekttypen, sollen hierdurch attraktiver gemacht werden. Die Nutzung von standardisierten Baselines setzt allerdings voraus, dass die Umweltintegrität trotz der Vereinfachung gewährleistet bleibt.

In der Praxis gibt es verschiedene Möglichkeiten für standardisierte Baselines, etwa die Einführung von Standardfaktoren für Inputparameter, Benchmarks für gewisse Technologien oder die Berechnung der Emissionsreduktion auf Basis der Emissionsintensität eines Outputs (z.B. tCO2/produzierter Einheit). Positivlisten für Projekte, die gewissen Kriterien entsprechen (Region/Projekttyp) ermöglichen eine schnellere Bestimmung der Zusätzlichkeit (Additionality).

Standardisierte Baselines können „top-down“ vom CDM-Exekutivrat entwickelt werden, aber auch „bottom-up“ von Regierungen, Projektträgern und internationalen Organisationen. Für die Anwendung der standardisierten Baseline in einem Land ist eine formelle Zustimmung (Approval) des entsprechenden Staates erforderlich, wobei eine Qualitätssicherung und -kontrolle (QA/QC) der Daten gemäß UNFCCC Vorgaben durchzuführen ist. Nach erfolgter Zustimmung durch die DNA kann die standardisierte Baseline zur Genehmigung beim CDM-Exekutivrat eingereicht werden. Hierzu muss ein Einreichungsformular, ein QA/QC Report sowie relevante Begleitdokumente (Daten, Statistiken, Studien, etc.) auf der UNFCCC Website hochgeladen werden. Weitere Informationen zur Einreichung und Genehmigung von standardisierten Baselines beim CDM-Exekutivrat finden sich in Annex 28 der 63. Sitzung des CDM Exekutivrats.

CDM-Methodologien

Für die Erstellung und Überwachung der Clean Development Mechanism (CDM)-Aktivität müssen die Projektteilnehmer nach einem international festgelegten Verfahren vorgehen und eine genehmigte Methodologie verwenden. Für verschiedene Projektkategorien und -arten gibt es aufgrund der praktischen Erfahrungen mit CDM-Projekten und -Programmen einen wachsenden Katalog solcher Methodologien, die jeweils an bestimmte Anwendungsvoraussetzungen geknüpft sind. Es können also alte, bisher anerkannte oder neue, anhand dieses Projekts oder Programmes entwickelte Methodologien verwendet werden.

Stellt die für die Validierung anerkannte sachverständige Stelle, die DOE, im Rahmen ihrer Prüfung fest, dass die für die CDM-Aktivität verwendete Methodologie noch nicht durch den CDM-Exekutivrat zugelassen wurde, wird sie diese unter Beifügung des Projektdokumentation zur Überprüfung und Genehmigung an den Exekutivrat weiterleiten. Einmal beim CDM-Exekutivrat eingereichte und durch ihn anerkannte Methodologien sind für jedermann frei zugänglich und verwendbar.

Auch anerkannte Methodologien unterliegen einer permanenten Überprüfung und können geändert oder verworfen werden. Derartige Änderungen und Verwerfungen führen jedoch nicht dazu, dass bereits registrierte Projekte oder Programme die ihrer Registrierung zugrunde liegende Methodologien entsprechend ändern müssen. Stattdessen folgt aus der Registrierung die Anwendung der zugrunde gelegten Methode für die Dauer des beantragten Anrechnungszeitraums.

Neben Methodologien stellt der CDM-Exekutivrat weitere Anleitungen (so genannte Tools) zur Verfügung, etwa zur Berechnung eines Emissionsfaktors oder zur Bestimmung der Zusätzlichkeit (Additionality).

UNFCCC CDM Methoden & Tools (in englischer Sprache)

CDM-Projektzyklus

Von der Projektidee bis zur Ausschüttung von Gutschriften sind verschiedene Schritte zu durchlaufen, der so genannte „Projektzyklus“.

Die nachstehende Abbildung illustriert den Projektzyklus und macht deutlich, welcher Akteur zu welchem Zeitpunkt verantwortlich ist. Die einzelnen Schritte umfassen die Projektentwicklung, die Validierung, die Registrierung, die Implementierung und Messung der Emissionsreduktionen sowie Verifizierung und Zertifizierung. Das Durchlaufen des Projektzyklus dauert je nach Projekttyp mehrere Monate, kann aber auch länger als ein Jahr dauern, etwa wenn die Qualität der Dokumentation eine Korrektur erfordert oder eine neue Methodologie entwickelt werden muss. Folgende Akteure sind in der Regel in eine CDM-Aktivität involviert: Projektentwickler, Beratungsunternehmen, Sachverständige (Designated Operational Entity (DOE) (DOE) auch „Validierer“ und „Verifizierer“), Behörden des Gastgeber- und Investorlandes sowie Gremien des CDM-Exekutivrats.

Schematischer Ablauf eines CDM-Projekts

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