Deutsche Emissionshandelsstelle

Was ist freiwillige Kompensation?

Wenn sich bestimmte emissionsintensive Aktivitäten nicht vermeiden lassen, bietet die freiwillige Kompensation von Treibhausgasen die Möglichkeit, entstandene Emissionen auszugleichen. Hierzu finanziert derjenige, dessen Aktivitäten Treibhausgasausstoß verursachen, bestimmte Aktivitäten, die dazu führen, dass an anderer Stelle Treibhausgasausstoß reduziert wird. Dies kann z.B. die Mit-Finanzierung des Aufbaus einer Windkraftanlage in einem Entwicklungsland sein. Oder der Verursacher kann CO2-Senken schaffen - beispielsweise durch die Aufforstung eines Waldes - denn heranwachsende Bäume absorbieren CO2 und binden es dann meist über Jahrzehnte.

Im internationalen Sprachgebrauch wird freiwillige Kompensation auch als „voluntary (carbon) offsetting“ bezeichnet. Man spricht von freiwilliger Kompensation, wenn die Kompensation nicht getätigt wird, um ein bestimmtes, verbindliches Emissionsziel zu erreichen, wie es z.B. einigen Ländern im Kyoto-Protokoll vorgegeben ist.

Für den Effekt von Treibhausgasen auf das Klima ist es zum Großteil unerheblich, wo die Emissionen stattfinden. Deshalb ist es möglich, den Treibhausgasausstoß eines Fluges von Berlin nach Barcelona über die Finanzierung eines Projekts in Südamerika zu kompensieren. Als Vorgang, der kompensiert werden soll, kommt beinahe jede denkbare Aktivität in Betracht, bei der Treibhausgase freigesetzt werden: Es gibt Angebote zur Kompensation von Pkw-, Bahn- oder Flugreisen genauso wie Angebote zur Kompensation des Gas-, Strom- oder Heizenergieverbrauchs im Haushalt. Neben Dienstleistungen zur Kompensation kann der Verbraucher auch „klimaneutrale“ Waren, Veranstaltungen oder Dienstleistungen in Anspruch nehmen. Hier verspricht der Anbieter, die mit Erzeugung, Vertrieb oder Nutzung der Ware einhergehenden Treibhausgasemissionen auszugleichen. So gibt es z.B. Druckereien, die Dokumente für ihre Kunden auf Wunsch „klimaneutral“ drucken lassen. Viele Möglichkeiten zur Kompensation werden über das Internet vertrieben.

Medien

Workshops

Workshop 2016: "Leveraging domestic offset projects for a climate-neutral world"

Der Workshop "Leveraging domestic offset projects for a climate-neutral world - Regulatory conditions and options" fand am 27.09.2016 in Berlin bei der Deutschen Emissionshandelsstelle (DEHSt) im Umweltbundesamt statt.

Freiwillige Kohlenstoffmärkte haben ein großes Potenzial um ambitionierte Klimaschutzmaßnahmen voranzubringen und die Transformation hin zu einer kohlenstoffarmen Wirtschaft zu unterstützen. Zur gleichen Zeit sind die Handlungsspielräume in den Industrieländern durch internationale, regionale und nationale Regelungen beschränkt. Wegen der Verpflichtungen aus dem Kyoto-Protokoll, dem EU-ETS und nationale Regelungen besteht die Gefahr der verschiedenen Formen von Doppelzählungen. Das macht es schwierig für Projektentwickler, die Zusätzlichkeit (Additionality) zu nachzuweisen. Zusätzlich zu diesen Herausforderungen wird sich der Rechtsrahmen ändern, wenn das Klimaabkommen von Paris in Kraft tritt.

Im vergangenen Jahr fand eine Expertenkonferenz in Berlin statt, um den Dialog zwischen den Vertretern der verschiedenen inländischen Klimaschutzinitiativen in Europa zu starten. Sie war ein erster Schritt um voneinander zu Lernen und ein Forum für den Austausch zu etablieren. Der diesjährige Workshop war eine Fortsetzung dieses Forums. Er basierte auf den vorangegangenen Diskussionen zu den Bedingungen für nationale Klimaschutzprojekte, förderte und vertiefte das Verständnis von Schlüsselfragen und diskutierte wie Optionen für die regulatorischen Bedingungen verbessert werden können, um in ganz Europa inländische Kompensationsmärkte weiter zu entwickeln. Er bestand aus drei Blöcken:

  1. Vorstellung der Ergebnisse der Studie „Leveraging DOPs for a climate-neutral world. Regulatory conditions and options
  2. Darstellung der Vorgehensweise in verschiedenen europäischen Ländern
  3. Ein Blick in die Zukunft: Welchen Effekt wird das neue Klimaregime auf den Markt für nationale Kompensation haben?

Präsentationen vom 27.09.2016

Workshop 2015: "Domestic carbon initiatives in Europe – experiences and opportunities"

Im Zusammenhang mit den laufenden internationalen Klimaverhandlungen können Länder Initiativen für beabsichtigte national festzulegende Beiträge (Intended Nationally Determined Contributions, INDCs) entwickeln.

Doch eine wachsende Zahl von Unternehmen, Organisationen und Regierungen denkt über die aktuellen vom UNFCCC initiierten Mechanismen und Märkte für den Klimaschutz hinaus. In Europa gibt es bereits mehrere Initiativen, die die Entwicklung inländischer Offset-Systeme erforschen.

Am 19.06.2015 fand der Workshop „Domestic Carbon Initiatives“ der Gold Standard Foundation und des Umweltbundesamts (UBA) statt. Er ermöglichte den Dialog zwischen nationalen Initiativen zur inländischen Kompensation von Treibhausgasen in Österreich, Belgien, Frankreich, Deutschland, den Niederlanden, der Schweiz und Großbritannien. Vertreter der Initiativen präsentierten Ziele, Visionen, Fortschritte und Herausforderungen, so dass ein Bild der aktuellen Klimaschutzaktivitäten in Europa entstand. Marktanalysten gaben Einblicke in die Präferenzen der Verbraucher und Versorgungsmuster und begründeten inländische Offset-Initiativen.

Fünf Arbeitsgruppen diskutierten die Relevanz und Möglichkeiten für Flexibilitätsmechanismen bei der Lastenteilungsentscheidung für die Zeit nach 2020 und die positiven Auswirkungen über die reine Kohlenstoffreduzierung hinaus. Außerdem wurden Erfahrungen aus dem kalifornischen Kohlenstoffmarkt vorgestellt, und die Teilnehmer erörterten, wie man Projektgutschriften im nationalen Inventar aufnehmen kann, insbesondere im Hinblick auf die Doppelzählung. Eine weitere Arbeitsgruppe diskutierte, welche Art von Plattform wünschenswert ist, um den Dialog und die Zusammenarbeit im Bereich der Carbon Offsets in Europa zu verbessern.

Workshop-Dokumentation (auf Englisch)

Präsentationen vom 19.06.2015 (auf Englisch)

Aktikel (auf Englisch)

Verbraucherinformationen

Kompensationsanbieter (05.07.2016, PDF, 38KB, Datei ist nicht barrierefrei)

Über­blick über An­bie­ter, die sich spe­zi­ell an deut­sche Kun­den rich­ten (oh­ne An­spruch auf Voll­stän­dig­keit oder qua­li­ta­ti­ve Be­wer­tung). Es gibt so­wohl ge­mein­nüt­zi­ge An­bie­ter als auch Fir­men, die pro­fi­t­ori­en­tiert ar­bei­ten. Ei­ni­ge rich­ten ihr An­ge­bot aus­schließ­lich an Un­ter­neh­mens­kun­den, an­de­re an Pri­vat­leu­te. Man­che ha­ben sich auf ei­nen be­stimm­ten Pro­jekt­typ, zum Bei­spiel Wald­pro­jek­te, spe­zia­li­siert.

Klimaneutral leben - Verbraucher starten durch beim Klimaschutz

Pu­bli­ka­ti­on des Um­welt­bun­des­amts

Wie funktioniert es?

Das Prinzip der Kompensation ist einfach. Ziel ist, den Ausstoß von Kohlendioxid (CO2), der an einer Stelle nicht vermieden werden kann entweder an anderer Stelle einzusparen oder auch die Absorption von CO2 durch Senken zu vergrößern. Um den genauen Preis der Kompensation einer Aktivität, beispielsweise einer Flugreise zu ermitteln, gibt es sogenannte CO2-Rechner, die den zu kompensierenden CO2 Ausstoß berechnen. Hierzu werden Daten und Zahlen herangezogen, die angeben, wie viel CO2 beispielsweise bei der Verbrennung einer Tonne Kerosin entsteht. Jedem Rechner liegen außerdem zahlreiche Annahmen zugrunde, z.B. über den Einsatz und durchschnittlichen Verbrauch bestimmter Flugzeugtypen. Ein wissenschaftlich fundierter CO2-Rechner wird vom Umweltbundesamt angeboten. Viele Anbieter von Kompensationsdienstleistungen bieten auf ihren Internetseiten auch eigene Rechner an.

Nachdem ermittelt wurde, wie groß die Menge der zu kompensierenden Emissionen ist, kann man sich bei Kompensationsanbietern darüber informieren, wie viel der Ausgleich dieser Menge kostet. Der Preis der Kompensation von beispielsweise einer Tonne CO2 variiert und ist stark abhängig davon, mit welchen Projekten kompensiert wird. Es existieren verschiedene Projekttypen.

Zertifizierte und verifizierte Emissionsreduktionen

Im Kyoto-Protokoll haben sich die Industriestaaten dazu verpflichtet, die Emissionen der sechs wichtigsten Treibhausgase, u.a. Kohlendioxid (CO2), zu senken. Das Kyoto-Protokoll bietet drei Mechanismen, die den Industrieländern dabei helfen sollen, ihre Reduktionsziele möglichst effizient zu erfüllen: den Internationalen Emissionshandel, den Clean Development Mechanism (CDM) und die Joint Implementation (JI).

Während die Emissionsreduktionen aus dem CDM und dem JI für das Erreichen verpflichtender Klimaschutzziele wie beispielsweise im Europäischen Emissionshandel genutzt werden können, also im sogenannten Verpflichtungsmarkt gehandelt werden, sind Zertifikate aus Klimaschutzprojekten, die diesen internationalen Anerkennungsprozess nicht durchlaufen haben, von diesem Markt ausgeschlossen.

Sie gelten nicht als „zertifizierte“ sondern lediglich als „verfizierte“ Emissionsreduktionen (Verified Emission Reductions, VERs) und werden auf dem freiwilligen Markt gehandelt. Diese Projekte sind von einem unabhängigen Dritten überprüft („verifiziert“). Um eine dem CDM und der JI vergleichbare Projektqualität zu gewährleisten, haben sich in den letzten Jahren verschiedene anbieterübergreifende Qualitätsstandards etabliert, die sich weitgehend an den Anforderungen des Kyoto-Protokolls für Klimaschutzprojekte im CDM oder in der JI orientieren. VERs können nur zur freiwilligen Kompensation verwendet. Umgekehrt ist es aber möglich, die höherwertigen CERs auch zur freiwilligen Kompensation zu verwenden.

Informationen zum CDM

Gastbeitrag von Frank Wolke in DOWJONES|TradeNews Emissions, Nr. 26, Seiten 9-11

Kritik an der freiwilligen Kompensation

Kritiker von Kompensationsmaßnahmen wenden ein, dass Kompensationsmöglichkeiten dazu verleiten, sich nicht mehr um eine klimaschonende Lebensweise zu bemühen, da man sich vermeintlich mit relativ geringem Aufwand ein reines Gewissen erkaufen könne. So würde eine langfristig notwendige Änderung des Konsumverhaltens gefährlich verzögert werden. Ein solches Verständnis von Kompensation wäre in der Tat problematisch, denn eine wirksame Kompensation kann nur einen vergleichsweise geringen Teil zur Eindämmung des Klimawandels beitragen. Zudem stellt nicht jedes verfügbare Angebot zur Kompensation von Treibhausgasen den Ausgleich tatsächlich vollständig sicher. Kompensationsmaßnahmen sollten demnach nur dann unternommen werden, wenn sich die Minderung bzw. Vermeidung von Treibhausgasausstoß durch die eigenen Aktivitäten nicht ohne weiteres vornehmen lässt. Wenn dies gegeben ist, bringen Kompensationsmaßnahmen jedoch zwei weitere wichtige Vorteile. Zum einen entsteht durch die freiwillige Kompensation einzelner CO2-intensiver Aktivitäten ein Bewusstsein für die eigenen verursachten Emissionen. Durch eine freiwillige Kompensation konkreter emissionsverursachender Aktivitäten wird dem Individuum der Umfang und die Kosten der persönlichen CO2 Bilanz näher gebracht. Zum anderen können Kompensationsprojekte je nach Qualität zusätzliche positive Auswirkungen in Bezug auf die nachhaltige Entwicklung der Gastländer mit sich bringen.

Publikationen

Factsheet: Freiwillige Kompensation von Treibhausgasen (22.05.2017, PDF, 144KB, Datei ist barrierefrei⁄barrierearm)

Tipps zur Be­rech­nung von Emis­sio­nen, Aus­wahl se­ri­öser An­ge­bo­te und Hin­ter­grund­in­for­ma­tio­nen zur frei­wil­li­gen Kom­pen­sa­ti­on

Leitfaden zur freiwilligen Kompensation von Treibhausgasemissionen (30.10.2008, PDF, 302KB, Datei ist nicht barrierefrei)

Leit­fa­den zur frei­wil­li­gen Kom­pen­sa­ti­on von Treib­h­aus­ga­se­mis­sio­nen

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