Versteigerungen in der dritten Handelsperiode (2013-2020)

Überblick

Seit dem Start der dritten Handelsperiode ist die Auktionierung europaweit die standardmäßige Zuteilungsmethode für stationäre Tätigkeiten im Europäischen Emissionshandelssystem (EU-ETS). Damit werden deutlich mehr Emissionsberechtigungen durch Versteigerungen an die Handelsteilnehmer zugeteilt als in den vergangenen Handelsperioden. Grundsätzlich versteigern die Mitgliedstaaten den Teil des europäischen Emissionshandelsbudgets (EU-Cap Stationär), der nicht kostenlos an die Anlagenbetreiber zugeteilt wird oder in der Neuanlagenreserve gebunden ist. Die Bundesrepublik Deutschland hat an dieser europaweiten Auktionsmenge einen effektiven Anteil von etwa 21 Prozent. Die folgende Tabelle fasst die Auktionsmengen der dritten Handelsperiode für die Jahre 2012 bis 2015 zusammen.

 2012
(Early
Auctions)
201320142015
Auktionsmenge EU-weit in Mio. EUA89,70808,15528,40632,73
Auktionsmenge Deutschland in Mio. EUA23,53182,56127,13143,89
Anteil Deutschland26,23%22,59%24,06%22,74%

Der Luftverkehr wurde bereits ab 2012, also ein Jahr vor dem regulären Start der dritten Handelsperiode, in das EU-ETS einbezogen. Hier werden grundsätzlich 15 Prozent des Luftverkehrs-Cap versteigert werden. Zwischen November 2012 und September 2014 waren die Auktionen im Luftverkehr aufgrund des „Stopping the clock“ Beschlusses ausgesetzt. Deutschland versteigerte 2012 als einziger Mitgliedstaat Luftverkehrsberechtigungen, da die Auktion vor dem „Stopping the clock“ Beschluss stattfand. Die folgende Tabelle fasst die Auktionsmengen im Luftverkehr für die Jahre 2012 bis 2015 zusammen.

2012201320142015
Auktionsmenge EU-weit in Mio. EUAA2,5-9,27817,26
Auktionsmenge Deutschland in Mio. EUA2,5-02,23
Anteil Deutschland100%-012,92%

Den rechtlichen Rahmen für die Auktionierung in der dritten Handelsperiode bildet die im November 2010 in Kraft getretene EU-Auktionsverordnung.

Informationen über die weitere Umsetzung finden Sie auf der Internetseite der Europäischen Kommission.

Verfahren

Die EU-Auktionsverordnung bietet den ETS-Teilnehmern einen harmonisierten, diskriminierungsfreien und kosteneffizienten Zugang zum europäischen Primärmarkt für Emissionsberechtigungen. Nicht zuletzt aufgrund der positiven Erfahrungen in Deutschland mit den Versteigerungen der zweiten Handelsperiode werden auch bei Versteigerungen der dritten Handelsperiode die bestehenden Infrastrukturen des Sekundärmarkts genutzt. So finden Versteigerungen in der ganzen EU nur noch an Handelsplattformen statt, die Teil geregelter Märkte sind.

Neben der Teilnahme an einer gemeinsam von der Europäischen Kommission und den Mitgliedstaaten beauftragten Auktionsplattform („Gemeinsame Plattform“) sieht die EU-Auktionsverordnung die Möglichkeit vor, dass Mitgliedstaaten eigene Plattformen betreiben können. Neben Deutschland haben sich hierfür auch Großbritannien und Polen entschieden. Sowohl Deutschland als auch Großbritannien haben die eigene Plattform bereits umgesetzt. Damit können sich Bieter auch in der dritten Handelsperiode an den für sie individuell am besten geeigneten Handelsplätzen beteiligen. Verschiedene Handelsplätze fördern zudem den Wettbewerb auf dem Sekundärmarkt. Ein gemeinschaftsweit koordinierter Auktionskalender, einheitliche und diskriminierungsfreie Zugangsbedingungen sowie eine gemeinsame Auktionsüberwachung aller Plattformen bilden wichtige Rahmenbedingungen für ein erfolgreiches Versteigerungsverfahren in der dritten Handelsperiode.

Die Versteigerungen werden nach dem bewährten Einheitspreisverfahren mit einer Bieterrunde und geschlossenem Orderbuch durchgeführt. Dieses Verfahren wurde bereits bei den bisherigen Primärmarktauktionen in Deutschland angewendet. Unterschiede bestehen aber zum Beispiel bei den zur Versteigerung angebotenen Produkten. Grundsätzlich können die Mitgliedstaaten in der dritten Handelsperiode nur noch zwischen verschiedenen Kontrakten zur sofortigen Erfüllung (Spot) mit einer Lieferzeit von höchstens fünf Tagen wählen. Grundsätzlich gelten für die Versteigerungen von Luftverkehrsberechtigungen dieselben Verfahrensregeln wie in den übrigen Versteigerungen.

Teilnahme

Die EU-Auktionsverordnung enthält Mindestanforderungen für angemessene Zugangskontrollen. Dies soll eine hohe Bieterbeteiligung insbesondere von emissionshandelspflichtigen Anlagen- und Luftverkehrsbetreibern ermöglichen. Zusätzlich soll aber auch die Zuverlässigkeit und Integrität der Versteigerungsverfahren garantiert werden. Die Zugangsbedingungen orientieren sich an Sekundärmarktpraktiken und ermöglichen auch Personen, die nicht emissionshandelspflichtig sind, den Zugang zu den Versteigerungen. Neben einer direkten internetgestützten Teilnahme erlaubt die EU-Auktionsverordnung auch den indirekten Zugang über zugelassene Finanzintermediäre. Kreditinstitute und Wertpapierfirmen können diese Funktion übernehmen, wenn sie die hierfür notwendigen Genehmigungen erhalten haben.

Entsprechend der bewährten Praxis aus der zweiten Handelsperiode können auch weiterhin Handelsteilnehmer, die bereits an dem Sekundärmarkt der Leipziger Energiebörse EEX (European Energy Exchange) zugelassen sind, unkompliziert und ohne weitere Zulassungskosten an den Versteigerungen teilnehmen. Die Handelsteilnehmer müssen allerdings gegenüber der Börse bestätigen, dass sie zur Teilnahme an den Primärmarktauktionen von Emissionsberechtigungen gemäß EU-Auktionsverordnung berechtigt sind. Die EEX stellt die entsprechenden Formulare und Informationen zur Zulassung auf ihrer Internetseite bereit. Grundsätzlich dürfen die Gebühren für eine Teilnahme an den Versteigerungsverfahren nicht oberhalb vergleichbarer Standardgebühren auf dem Sekundärmarkt liegen.

Zudem bietet die EEX seit August 2012 eine neue Zulassungsvariante an, die die Teilnahme an den Auktionen für Emissionsberechtigungen und Luftverkehrsberechtigungen erleichtert. Dieser so genannte Auction-only-Zugang berechtigt Unternehmen ausschließlich zur Teilnahme an Primärauktionen. Zu den vereinfachten Zulassungsanforderungen gehört, dass diese Unternehmen kein haftendes Eigenkapital nachweisen müssen; auch ein technischer Zugang ist nicht zwingend erforderlich, da Gebote per Fax übermittelt werden können. Die Gebote werden in diesem Fall im Auftrag des Teilnehmers durch die Marktsteuerung der Börse in das Handelssystem eingegeben. Unternehmen, die sich für diese Art der Teilnahme an den Auktionen entscheiden, brauchen keine geschulten Börsenhändler zu benennen und sparen so die Kosten für die Börsenhändlerprüfung. Zudem entfällt ein jährliches Entgelt bei Nutzung der Gebotseingabe durch die Marktsteuerung. Für die alternative Nutzung eines technischen Zugangs zum Handelssystem fällt lediglich ein reduziertes jährliches Entgelt an. Ausführliche Informationen zu den Teilnahmebedingungen sind auf der Internetseite der EEX zugänglich.

2012: Early Auctions und Versteigerung von Luftverkehrsberechtigungen

Um einen fließenden Übergang zwischen den Handelsperioden zu ermöglichen, haben die EU-Mitgliedstaaten im Juli 2011 beschlossen, Emissionsberechtigungen aus den Zuteilungsjahren 2013 und 2014 bereits 2012 zu versteigern (sogenannte Early Auctions). Beabsichtigt war, auf diese Weise europaweit die Versteigerung von 120 Millionen Emissionsberechtigungen für stationäre Tätigkeiten vorzuziehen. Auf die Bundesrepublik Deutschland entfielen davon rund 23,5 Mio. Berechtigungen. Effektiv konnten von den angesetzten 120 Millionen Emissionsberechtigungen nur rund 90 Mio. versteigert werden, da einige EU-Mitgliedstaaten ihre Vorbereitungen zur Versteigerung nicht rechtzeitig abschließen konnten.

Die deutschen vorgezogenen Versteigerungen von Berechtigungen der dritten Handelsperiode wurden am 14.12.2012 erfolgreich an der deutschen transitorischen Handelsplattform EEX abgeschlossen. Dabei wurden im wöchentlichen Rhythmus seit dem 26.10.2012 Primärauktionen für Spot-Kontrakte durchgeführt.

Neben den vorgezogenen Versteigerungen der dritten Handelsperiode, führte die EEX 2012 zudem die Versteigerungen des deutschen Anteils an Luftverkehrsberechtigungen durch. Am 31.10. wurden 2,5 Millionen Luftverkehrsberechtigungen (EUAA Spot-Kontrakte) versteigert. Aufgrund des „Stopping the clock“ Beschlusses wurden weitere Versteigerungen von EUAA durch die Mitgliedsstaaten ausgesetzt. Eine Wiederaufnahme der EUAA-Versteigerungen erfolgte dann im September 2014 unter Berücksichtigung der neu berechneten EUAA-Mengen gemäß des angepassten Anwendungsbereiches.

2013: Beginn der regulären Versteigerungen

Im Anschluss an die vorgezogenen Versteigerungen starten die regulären deutschen Versteigerungen im Januar 2013. Die durch Deutschland versteigerte Menge an Emissionsberechtigungen der dritten Handelsperiode belief sich im Jahr 2013 auf 182.560.500 EUA. Hierbei handelte es sich zunächst um eine vorläufige Auktionsmenge, da die europäische Gesamtauktionsmenge lediglich auf einer ersten Schätzung der EU-Kommission beruhte. Für eine Berechnung der exakten Auktionsmenge musste zunächst das vorläufige Zuteilungsverfahren für die dritte Handelsperiode abgeschlossen werden. Dies geschah mit der Veröffentlichung eines Beschluss der Europäischen Kommission am 05.09.2013 („NIMs Decision“). Allerdings erfolgte im Jahr 2013 keine Anpassung der bestehenden Auktionskalender, stattdessen wurden die auf Basis der NIMs Decision ermittelten zusätzlichen Versteigerungsmengen in den Auktionskalendern für 2014 berücksichtigt.

Deutschland versteigerte im Jahr 2013 jeweils wöchentlich freitags zwischen 09:00 und 11:00 Uhr (MEZ) Emissionsberechtigungen der dritten Handelsperiode an der EEX. Während des vorgesehenen Kalenderzeitraums vom 11.01. bis 13.12.2013 wurden dabei pro Termin 4.020.000 Emissionsberechtigungen versteigert. Dies galt in allen Monaten außer im August, in dem nach den Vorgaben der EU-Auktionsverordnung nur jeweils die Hälfte an Emissionsberechtigungen pro Termin versteigert wird.

2014: Beginn des Backloading und Wiederaufnahme der Versteigerungen im Luftverkehr

Am 27.02.2014 ist die geänderte EU-Auktionsverordnung (AuktVO) zur zeitlichen Verschiebung von Auktionsmengen in Kraft getreten (so genanntes „Backloading“). Europaweit werden demnach im Zeitraum 2014 bis 2016 insgesamt 900 Millionen Emissionsberechtigungen (EUA) weniger versteigert werden als bislang vorgesehen war. 2014 werden die Auktionsmengen zunächst um 400 Millionen EUA reduziert. 2015 beläuft sich die Kürzung dann auf 300 Millionen und 2016 auf 200 Millionen EUA. Von den gekürzten Auktionsmengen ist bislang vorgesehen 300 Millionen EUA 2019 und 600 Millionen EUA 2020 zurück zu führen. Von der Gesamtkürzungsmenge trägt Deutschland einen Anteil von rund 19,35 Prozent. Die deutsche Auktionsmenge im Jahr 2014 reduzierte sich mit Implementierung des Backloading entsprechend von 204.534.500 auf 127.127.500 EUA. Die erste deutsche Auktion mit reduzierten Mengen wurde am 21.03.2014 durchgeführt. Die wöchentlich an Freitagen angebotene Menge reduzierte sich von diesem Termin an auf 2.352.000 EUA. Im August wurde entsprechend der europäischen Vorgaben die halbierte Menge im Umfang von 1.176.000 EUA versteigert. Die Jahresendauktion wurde am 12.12.2014 durchgeführt. Die Angebotsmenge lag hier bei 2.335.500 EUA. Weitere Informationen zum Backloading sind auf der Internetseite der Europäischen Kommission abrufbar.

Im Jahr 2014 wurden außerdem die Versteigerungen für den Luftverkehr wiederaufgenommen. Am 29.07.2014 haben die EEX und ICE die Auktionskalender für die Versteigerung von Luftverkehrsberechtigungen (EUAA) für das Jahr 2014 auf ihren Internetseiten veröffentlicht. Diese Auktionsmengen sind dem Jahr 2012 zurechenbar. Von den Mitgliedsstaaten, die auf der gemeinsamen Plattform versteigern, und von Großbritannien wurden insgesamt 9.278.000 EUAA an fünf Auktionsterminen zwischen 03.09. und 26.11. versteigert. Deutschland hatte seinen Anteil an Luftverkehrsberechtigungen (EUAA) für das Jahr 2012 bereits am 31.10.2012 versteigert.

2015: Kontinuierliche Versteigerungen

In Abstimmung mit der Deutschen Emissionshandelsstelle (DEHSt), der Europäischen Kommission und den Mitgliedstaaten hat die EEX am 09.10.2014 den Auktionskalender für die Versteigerungen von EUA und EUAA für das Jahr 2015 veröffentlicht.

Die deutschen Versteigerungen von EUA finden weiterhin freitags von 9:00 bis 11:00 Uhr (MEZ) statt. Ab dem 09.01.2015 werden wöchentlich rund 3,2 Millionen EUA durch die EEX versteigert. Im August werden die wöchentlichen Mengen aufgrund der Vorgaben aus der EU Auktionsverordnung auf rund 1,6 Millionen EUA halbiert. Das Gesamtvolumen der deutschen Versteigerungen in 2015 beträgt 143.893.500 EUA. Insgesamt werden 2015 im EU-ETS rund 633 Millionen EUA versteigert.

Die deutschen Versteigerungen von EUAA finden an zwei Mittwochsterminen von 9:00 bis 11:00 Uhr (MEZ) statt. Die Auktionen sind auf den 25.02.2015 (1.447,500 EUAA) und den 07.10.2015 (781.500 EUAA) gelegt. In der Auktion im Februar wurden bereits die EUAA versteigert, die Deutschland von der Europäischen Kommission für die Jahre 2013 und 2014 zugewiesen wurden. Im Oktober werden schließlich die Luftverkehrsberechtigungen für das Jahr 2015 versteigert. Das Gesamtvolumen der deutschen Versteigerungen in 2015 beträgt 2.229.000 EUAA.

Grundsätzlich gilt europaweit für die Versteigerungen im Luftverkehr, dass im Jahr 2015 die den Jahren 2013-2015 zurechenbaren Auktionsmengen versteigert werden, nachdem 2014 die verbleibenden Mengen aus 2012 versteigert wurden und 2013 keine Auktionen stattfanden. Insgesamt werden 2015 rund 17,26 Millionen EUAA versteigert.

Beauftragung von Handelsplattformen

Um die europäischen Vorgaben aus der EU-Auktionsverordnung umzusetzen, hat das Umweltbundesamt im Auftrag der Bundesregierung bereits im Herbst 2011 ein europaweites Vergabeverfahren für die Beauftragung einer sogenannten transitorischen Auktionsplattform durchgeführt, in dem sich die EEX in Leipzig durchsetzen konnte. Auf dieser vorläufigen Plattform wurden die deutschen Emissionsberechtigungen (EUA) für die dritte Handelsperiode (2013-2020) sowie die Luftverkehrsberechtigungen (EUAA) bis Ende 2013 versteigert.

Für die Beauftragung einer dauerhaften Versteigerungsplattform hat das Umweltbundesamt im Herbst 2012 ein zweites europaweites Vergabeverfahren eingeleitet, in welchem abermals die EEX den Auftrag erhielt. Der Zuschlag wurde am 27.02.2013 erteilt. Die EEX hat auch erfolgreich das notwendige Prüfverfahren der Europäischen Kommission als dauerhafte deutsche Versteigerungsplattform für Emissionsberechtigungen durchlaufen. Das relevante Gremium der EU-Mitgliedstaaten, das sogenannte Climate Change Committee, hat am 18.06.2013 dazu seine Zustimmung erteilt. Nach Ablauf einer dreimonatigen Frist, in der Rat und Europäisches Parlament Einspruch erheben konnten, wurde die EEX am 14.11. in Anhang III der EU-Auktionsverordnung aufgenommen. Der offizielle Übergang von der transitorischen auf die dauerhafte Plattform ist zum Jahreswechsel erfolgt. In dieser Funktion führt die EEX die Versteigerungen nun bis mindestens Ende 2016, mit der Möglichkeit um Verlängerung um weitere zwei Jahre, durch.

DEHSt ist deutscher Auktionator

Gemäß Artikel 22 der EU-Auktionsverordnung muss jeder Mitgliedstaat einen Auktionator bestellen. Der Auktionator ist u.a. auch für die Abwicklung der Geschäfte am Clearinghaus der EEX (ECC) verantwortlich. Zum 01.10.2013 hat die DEHSt die Rolle des Auktionators für die Bundesrepublik Deutschland übernommen und ist damit offiziell Anbieter der Berechtigungen bei den deutschen Versteigerungen. Hiermit war seit 2010 bis einschließlich 30.09.2013 die KfW Bankengruppe von der DEHSt beauftragt. Nach dem Ende des Vertragsverhältnisses übernahm die DEHSt sämtliche Funktionen des Auktionators.

Stand: 03.03.2016

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Weitere Informationen

Interner Link

Europäische Auktionsverordnung

Informationen der Europäischen Kommission (nur auf Englisch)

EEX Auktionskalender (englisch)