Deutsche Emissionshandelsstelle

Grundlagen

Der Europäische Emissionshandel (EU-ETS) ist das zentrale klimapolitische Leitinstrument in Europa, um Treibhausgasemissionen von Energie- und Industrieanlagen sowie des innereuropäischen Luftverkehrs kosteneffizient zu reduzieren. Denn die steigende Konzentration von Kohlendioxid (CO2) in der Atmosphäre trägt maßgeblich zum Klimawandel bei. Neben CO2 schädigen auch andere Gase, wie z.B. Lachgas (N2O) oder Methan (CH4) das Klima. Mit dem Europäischen Emissionshandel werden mehr als 45 Prozent der gesamten Treibhausgasemissionen der Europäischen Union (EU) erfasst.

Wie funktioniert der Emissionshandel?

Der Emissionshandel funktioniert nach dem Prinzip "Cap and Trade". Mit der staatlich festgelegten Obergrenze (Cap) wird politisch entschieden, wie viel CO2-Äquivalente (CO2e) insgesamt höchstens emittiert werden darf. Ein klimapolitisch anspruchsvolles Cap sorgt dafür, dass CO2 ein knappes Gut wird und sich durch den Handel (Trade) am Markt ein Preis für CO2 bildet, der einen Anreiz setzt, in mehr Klimaschutz zu investieren.

Alle Unternehmen, die aufgrund der gesetzlichen Bestimmungen mit ihren Anlagen oder Luftfahrzeugen am Emissionshandel teilnehmen, müssen für jede emittierte Tonne CO2-Äquivalente (CO2e) eine Emissionsberechtigung abgeben. Einem Teil der Unternehmen wird aus dem Cap eine begrenzte Anzahl Emissionsberechtigungen entsprechend europaweit festgelegter Zuteilungsregeln kostenlos zur Verfügung gestellt. Unternehmen, die keine kostenlosen Emissionsberechtigungen erhalten oder bei denen die Zuteilung nicht ausreicht, müssen Emissionsberechtigungen in den regelmäßig stattfindenden Auktionen ersteigern oder von anderen Unternehmen kaufen. Wenn sie zu viele Emissionsberechtigungen besitzen, können sie diese verkaufen. Daher stammt die Bezeichnung Emissionshandel. Genau genommen werden also nicht Emissionen, sondern Berechtigungen gehandelt, um die entsprechende Menge an Treibhausgasen ausstoßen zu dürfen.

Über die Auktionen und den Handel zwischen den Unternehmen ergibt sich ein Marktpreis für die Emissionsberechtigungen. Stehen im Verhältnis zu den Emissionen der Unternehmen (Nachfrage) viele Emissionsberechtigungen zur Verfügung (Angebot), ist der Marktpreis niedrig. Werden die Emissionsberechtigungen hingegen knapp, weil beispielsweise zur Erreichung der Klimaschutzziele weniger Berechtigungen verfügbar sind, steigt der Preis.

Bei höheren Preisen wird es für immer mehr Unternehmen interessant, Klimaschutzmaßnahmen zu ergreifen, um ihre Treibhausgasemissionen zu reduzieren. Denn wenn es kostengünstiger ist eine Tonne CO2-Äquivalente (CO2e) zu vermeiden als eine Emissionsberechtigung zu kaufen, lohnt es sich, technische Maßnahmen vorzunehmen.

01.04.2017

Wie funktioniert der Emissionshandel?

Ein Beispiel:

Festlegung der Obergrenze für Emissionen („Cap“)

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Festlegung der Obergrenze für Emissionen („Cap“) Festlegung der Obergrenze für Emissionen („Cap“) Die Politik legt für die kommenden fünf Jahre eine Emissionsreduzierung von 20 Prozent fest. Unternehmen A und Unternehmen B betreiben Anlagen, die in den Emissionshandel einbezogen sind. Diese emittieren in der Ausgangsituation jeweils 50.000 t CO2. Weil die Emissionen um 20 Prozent reduziert werden sollen, erhalten beide Unternehmen für nur 40.000 t CO2 kostenlose Emissionsberechtigungen. Die Unternehmen müssen sich nun entscheiden, ob sie ihre Emissionen reduzieren oder weitere Emissionsberechtigungen zukaufen.

Warum wurde der Europäische Emissionshandel eingeführt?

Der Emissionshandel in Europa wurde in Folge des internationalen Klimaschutzabkommens von Kyoto eingeführt. In Kyoto vereinbarten 1997 die Staats- und Regierungschefs erstmals international verbindliche Stabilisierungs- und Reduktionsziele für die Treibhausgasemissionen der Industrienationen. Insgesamt sollten die jährlichen Emissionen der Industriestaaten zwischen 2008 und 2012 um durchschnittlich 5,2 Prozent gegenüber 1990 reduziert werden. Die EU hatte sich dabei zu einer Reduktion von acht Prozent verpflichtet. Um dieses und auch zukünftige Klimaschutzziele zu erreichen, wurde 2005 der Europäische Emissionshandel eingeführt.

01.04.2017

Welche Bedeutung hat das Klimaschutzabkommen von Paris für den Emissionshandel?

Im Dezember 2015 wurde bei der UN-Klimakonferenz in Paris ein neues Abkommen beschlossen, das bereits 2016 in Kraft getreten ist. Im Klimaschutzabkommen von Paris einigten sich die beteiligten Staaten darauf, die Erderwärmung auf deutlich unter 2° C zu begrenzen, wenn möglich sogar auf 1,5° C. Anstatt wie in Kyoto Emissionsreduktionen für einzelne Länder zu vereinbaren, sieht das neue Abkommen u.a. vor, dass die Staaten sich Minderungsziele setzen und fortlaufend anpassen. Die bislang gemeldeten Reduktionsziele sind allerdings noch nicht ausreichend, um die Klimaerwärmung auf 2° C zu begrenzen, sodass die vom Paris Abkommen vorgesehenen Maßnahmen noch weiter verhandelt werden müssen. Die EU hat sich verpflichtet, bis 2030 ihre Treibhausgasemissionen um mindestens 40 Prozent zu reduzieren (Basisjahr 1990).

Wie dieses 40-Prozent-Reduktionsziel im Detail zuverlässig erreicht werden soll, wird in den kommenden Jahren geklärt. Hierbei wird der Europäische Emissionshandel eine wichtige Rolle spielen.

01.04.2017

Wieso ist der Emissionshandel ökonomisch vorteilhaft?

Um Umweltschutzziele zu erreichen, werden unterschiedliche Instrumente eingesetzt. Verbote, Vorschriften und Grenzwerte - sogenannte ordnungsrechtliche Instrumente - sind zum Beispiel sinnvoll, um Menschen und Ökosysteme vor toxischen Substanzen zu schützen. Subventionen und Marktanreizprogramme können etwa die Einführung von neuen Techniken unterstützen.

Starre Vorgaben wie etwa einheitliche Grenzwerte oder Mengenbeschränkungen haben allerdings den Nachteil, dass alle regulierten Energie- und Industrieanlagen diese Vorgaben einhalten müssen. Dies ist für die Betreiber aber mit unterschiedlich hohen Kosten verbunden. Für manche Unternehmen ist es daher einfacher, einen bestimmten Grenzwert einzuhalten. Andere müssen dafür aber viel Geld investieren. Hier bieten marktbasierte Instrumente, wie beispielsweise Umweltsteuern oder der Emissionshandel volkswirtschaftliche Vorteile. Marktbasierte Instrumente zielen darauf ab, dass Umweltbelastungen bei den Verursachern, zum Beispiel bei Unternehmen, Kosten verursachen und diese jeweils selbst entscheiden, ob es für sie günstiger ist, die Belastungen zu reduzieren oder für die Belastungen zu bezahlen. Dies führt dazu, dass aus gesamtwirtschaftlicher Perspektive die kostengünstigen Umweltschutzmaßnahmen zuerst ergriffen werden. Wenn so insgesamt ein ausreichender Umweltschutz erreicht wird, kann auf teurere Umweltschutzmaßnahmen verzichtet werden. Damit können marktbasierte Instrumente bestimmte Umweltziele zu geringeren volkswirtschaftlichen Kosten erreichen als andere Instrumente.

Reichen im Fall von Umweltsteuern die ergriffenen Umweltschutzmaßnahmen noch nicht aus, müssen die Steuern erhöht werden. In der Praxis sind Umweltziele über Steuern und Abgaben aber schwer punktgenau zu erreichen. Der zusätzliche Vorteil des Emissionshandels besteht darin, dass das Emissionsziel über die Vergabe einer entsprechenden Menge an Emissionsberechtigungen direkt und zum vorher bestimmten Zeitpunkt erreicht wird. Es besteht also nicht wie bei Umweltsteuern die Gefahr, dass eine zu hohe oder zu niedrige Steuer festgelegt wird. Zusammenfassend zeichnet es den Emissionshandel damit im Wesentlichen aus, dass er gesetzte Umweltziele sicher und zu den volkswirtschaftlich günstigsten Kosten erreichen kann.

01.04.2017

Wieso gibt es weiterhin auch Vorschriften, Grenzwerte und andere Maßnahmen für den Klimaschutz?

Obwohl der Emissionshandel ein sehr effizientes Instrument ist, ist er nicht überall gleichermaßen gut geeignet. Beispielsweise dann, wenn die Zahl der Teilnehmer sehr groß und ihre jeweiligen Emissionen relativ gering sind, spricht das Kosten-Nutzen-Verhältnis eher gegen den Emissionshandel. Daher ist für eine effektive und kostenbewusste Klimapolitik der Einsatz von mehreren aufeinander abgestimmten und interagierenden Instrumenten und Maßnahmen notwendig. Hierunter zählt etwa die Förderung Erneuerbarer Energien, die vorrangig neue Techniken im Blick hat.

01.04.2017

Kennzahlen zum Emissionshandel in Deutschland und Europa

Video zum Emissionshandelssystem

Das folgende Video erklärt die Grundzüge des Europäischen Emissionshandels in vereinfachter Form. Es wurde 2010 für die Norwegische Climate and Pollution Agency erstellt. Wir haben das Video mit freundlicher Genehmigung der norwegischen Behörde ins Deutsche übersetzt.

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