Deutsche Emissionshandelsstelle

Für Luftverkehrsbetreiber

Neben der Industrie und der Energiewirtschaft trägt auch der Luftverkehr erheblich zu den globalen Emissionen bei – und das mit stark steigender Tendenz. Seit Januar 2012 ist daher der Luftverkehr in den Europäischen Emissionshandel einbezogen. Sowohl gewerbliche als auch nichtgewerbliche Luftfahrzeugbetreiber müssen nun für jede aus ihrer Luftverkehrstätigkeit resultierende Tonne Kohlendioxid (CO2) eine Emissionsberechtigung abgeben.

Quelle: Oleg Ivanov/Fotolia

Luftverkehr im Emissionshandel

Vom Emissionshandel betroffen sind grundsätzlich alle Luftfahrzeugbetreiber, die Flüge durchführen, die im Hoheitsgebiet des Europäischen Wirtschaftsraums (Territorium der EU-Mitgliedstaaten und Island, Norwegen und Liechtenstein) starten oder landen. Seit 2010 müssen sie ihre Emissionen an die zuständigen Behörden (in Deutschland an die Deutsche Emissionshandelsstelle (DEHSt) im Umweltbundesamt) berichten.

Für das Jahr 2012 sowie die Jahre 2013 bis 2023 hat die EU jedoch verschiedene Ausnahmen hinsichtlich des geografischen Anwendungsbereichs erlassen, die im Folgenden erläutert werden.

Stopping-the-Clock 2012

Stopping-the-Clock war ein temporäres Zugeständnis der EU, um den ICAO-Prozess zur Verhandlung einer globalen marktbasierten Maßnahme für die Regulierung der internationalen Luftverkehrsemissionen zu unterstützen. Hierbei konnten sich Luftfahrzeugbetreiber dafür entscheiden, nur für einen verminderten Umfang an Emissionen Zertifikate abzugeben (nämlich, mit einigen Ausnahmen wie z.B. die Schweiz, nur für Flüge innerhalb des EWR), wenn sie gleichzeitig auf einen Teil der kostenlos zugeteilten Emissionsberechtigungen verzichteten.

Änderungen der Emissionshandelsrichtlinie

ab 2017

Änderungen ab 2017

Am 06.10.2016 hat die International Civil Aviation Organization (ICAO) eine marktbasierte Maßnahme zur Begrenzung der CO2-Emissionen des internationalen Luftverkehrs verabschiedet. CORSIA (Carbon Offsetting and Reduction Scheme for International Aviation) sieht ein Offsetting von CO2-Emissionen durch Projektgutschriften („Offsets“) und Emissionsberechtigungen aus Emissionshandelssystemen („Emissionsberechtigungen“) vor, um ein kohlenstoffneutrales Wachstum des internationalen Luftverkehrs ab dem Jahr 2020 zu erreichen. Die teilweise abstrakten Regelungen aus der entsprechenden Resolution A 39-3 werden aktuell in die für die Ausgestaltung von CORSIA tatsächlich relevanten Dokumente überführt. Später werden diese auch in nationales Recht überführt werden.

Die Europäische Kommission hat am 29.12.2017 die Verordnung zur weiteren Ausgestaltung des EU-ETS im Luftverkehr (rückwirkend zum 01.01.2017) veröffentlicht.

Für Luftfahrzeugbetreiber sind folgende Regelungen von besonderer Bedeutung:

  • Das Einbeziehen internationaler Flüge folgender Flüge bleibt weiterhin weiterhin bis zum 31.12.2023 verbindlich ausgesetzt:

    • Flüge von oder nach Flugplätzen in Ländern außerhalb des Europäischen Wirtschaftsraums
    • von, zu und innerhalb von bestimmten Gebieten in äußerster Randlage der EU

    Damit besteht der seit 2013 angewendete so genannte reduzierte geografische Anwendungsbereich unverändert fort (Antwort Nr. LV 005). Allerdings erfolgt dies vorbehaltlich einer vorgesehenen Überprüfung der Umsetzung des globalen marktbasierten Mechanismus der ICAO (CORSIA) durch die Europäische Kommission, gemäß dem durch die Verordnung neu in die Richtlinie 2003/87/EG eingefügten Artikel 28b.

  • Luftfahrzeugbetreiber erhalten bis 2020 eine kostenlose Zuteilung, die der des Jahres 2016 entspricht (Antwort Nr. LV 035). Ab 2021 ist vorbehaltlich der Überprüfung gemäß oben genannten Artikel 28b vorgesehen - wie bei stationären Anlagen - den linearen Reduktionsfaktor gemäß Artikel 9 der Emissionshandelsrichtlinie anzuwenden. Dieser beträgt 2,2 Prozent pro Jahr.
  • Luftfahrzeugbetreiber mit jährlich weniger als 3.000 Tonnen CO2-Emissionen (bezogen auf den reduzierten geografischen Anwendungsbereich) gelten nun als Kleinemittent und können somit von bestimmten Erleichterungen Gebrauch machen (Antwort Nr. LV 033). Dies galt bisher nur für Luftfahrzeugbetreiber, die bezogen auf den ursprünglichen Anwendungsbereich weniger als 25.000 Tonnen CO2 im Jahr emittiert haben.
  • Nicht-gewerbliche Luftfahrzeugbetreiber mit jährlichen Emissionen von weniger als 1.000 Tonnen CO2 unterliegen bis 2030 (bisher 2020) nicht der Emissionshandelspflicht (Antwort Nr. LV 004).

2013-2016

Änderungen für die Jahre 2013 bis 2016

Am 01.01.2013 begann eine neue – die dritte – Handelsperiode (2013-2020). Die bisher gültigen Monitoring-Leitlinien wurden durch die Monitoring-Verordnung ersetzt.

Die Internationale Zivilluftfahrtorganisation (ICAO) hat im Herbst 2013 eine Resolution verabschiedet, bis 2016 ein globales marktbasiertes Klimaschutzinstrument zu entwickeln, mittels dessen Luftfahrzeugbetreiber ab dem Jahr 2020 ihre CO2-Emissionen reduzieren sollen. Um diesen Prozess zu unterstützen, hatte die Europäische Union entschieden, die Emissionshandelsrichtlinie über Stopping-the-Clock hinaus vorübergehend anzupassen. Die Änderung trat am 30.04.2014 verbindlich in Kraft.

Beachten Sie bitte folgende Regelungen:

  • Verbindliches Aussetzen für die Jahre 2013-2016 der in den Emissionshandel einbezogenen internationalen Flüge (Antwort Nr. LV 005)

    • von oder zu Flugplätzen in Ländern außerhalb des Europäischen Wirtschaftsraums
    • von, zu und innerhalb von bestimmten Gebieten in äußerster Randlage der EU.
  • Die Zuteilungsmengen für die Jahre 2013-2016 wurden an den reduzierten Anwendungsbereich angepasst (Antwort Nr. LV 035).
  • Ausnahmeregelungen für nicht-gewerbliche Luftfahrzeugbetreiber mit jährlichen Emissionen unter 1.000 Tonnen CO2 von 2013 bis 2020 (bezogen auf den ursprünglichen Anwendungsbereich) (Antwort Nr. LV 004).
  • Die Verifizierungspflicht entfällt für Emissionsberichte von Betreibern mit jährlich weniger als 25.000 Tonnen CO2-Emissionen (bezogen auf den ursprünglichen Anwendungsbereich), sofern der Emissionsbericht vollständig mit Daten aus der Support Facility von EUROCONTROL erstellt wurde (Antwort Nr. LV 010).

Daten und Fakten

Daten und Fakten zum Luftverkehr im EU-ETS
ZieleZielwerte

(1) Absolute Zahlen beziehen sich auf ursprünglichen Anwendungsbereich (so genannter full scope) der Emissionshandels-Richtlinie
Reduktionsziele 2012
und 2013-2020
-3% (2012) und -5% (ab 2013) im Vergleich zum Durchschnitt von 2004-2006 (Basislinie), d.h. das Cap liegt bei 97% bzw. 95%
Reduktionsziel der EU in absoluten Werten (1)Basislinie: 221,4 Mio. t CO2
Cap 2012: 214,8 Mio. t CO2
Cap 2013-2020: 210,4 Mio. t CO2
Teilnehmer am Emissionshandel im Luftverkehr (1)fast 6000 internationale Luftfahrzeugbetreiber aus mehr als 150 Ländern, für 500 davon ist Deutschland zuständig
Kostenlose Zuteilung (1)

85% der Zertifikate 2012
82% der Zertifikate ab 2013

nach europaweit einheitlichem Benchmark (von der EU-Kommission berechnet):
2012: 0,6797 Emissionsberechtigungen pro 1000 Tonnenkilometer
2013-2020: 0,6422 Emissionsberechtigungen pro 1000 Tonnenkilometer

129 Luftfahrzeugbetreiber, die in Deutschland einen Zuteilungsantrag gestellt haben, erhalten:
42,8 Mio. Zertifikate 2012
40,5 Mio. Zertifikate ab 2013

Reserve3% der Zertifikate ab 2013
Versteigerungsquote15% der Zertifikate

19.04.2017

Weitere Informationen

EG-Emissionshandels-Richtlinie vom 13.10.2003

Richt­li­nie 2003/87/EG vom 13.10.2003

Richtlinie 2008/101/EG des Europäischen Parlaments und des Rates vom 19.11.2008 zur Änderung der Richtlinie 2003/87/EG

Än­de­rung der Richt­li­nie 2003/87/EG zwecks Ein­be­zie­hung des Luft­ver­kehrs

Richtlinie 2009/29/EG des Europäischen Parlaments und des Rates vom 23.04.2009 zur Änderung der Richtlinie 2003/87/EG

Än­de­rung der Richt­li­nie 2003/87/EG zur Ver­bes­se­rung und Aus­wei­tung des Ge­mein­schafts­sys­tems für den Han­del mit Treib­h­aus­ga­se­mis­si­ons­zer­ti­fi­ka­ten

TEHG 2011 (21.07.2011, PDF, 224KB, Datei ist nicht barrierefrei)

Ge­setz zur An­pas­sung der Rechts­grund­la­gen für die Fort­ent­wick­lung des Emis­si­ons­han­dels (TEHG) - Bun­des­ge­setz­blatt Jahr­gang 2011 Teil I Nr. 38, aus­ge­ge­ben zu Bonn am 27.07.2011

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