Deutsche Emissionshandelsstelle

Für Luftverkehrsbetreiber

Neben der Industrie und der Energiewirtschaft trägt auch der Luftverkehr erheblich zu den globalen Emissionen bei – und das mit stark steigender Tendenz. Seit Januar 2012 ist daher der Luftverkehr in den Europäischen Emissionshandel einbezogen. Sowohl gewerbliche als auch nichtgewerbliche Luftfahrzeugbetreiber müssen nun für jede aus ihrer Luftverkehrstätigkeit resultierende Tonne Kohlendioxid (CO2) eine Emissionsberechtigung abgeben.

Quelle: Oleg Ivanov/Fotolia

Luftverkehr im Emissionshandel

Vom Emissionshandel betroffen sind grundsätzlich alle Luftfahrzeugbetreiber, die Flüge durchführen, die im Hoheitsgebiet des Europäischen Wirtschaftsraums (Territorium der EU-Mitgliedstaaten und Island, Norwegen und Liechtenstein) starten oder landen. Seit 2010 müssen sie ihre Emissionen an die zuständigen Behörden (in Deutschland an die Deutsche Emissionshandelsstelle (DEHSt) im Umweltbundesamt) berichten.

Für das Jahr 2012 sowie die Jahre 2013 bis 2016 hat die EU jedoch verschiedene Ausnahmen hinsichtlich des geografischen Anwendungsbereichs erlassen, die im Folgenden erläutert werden.

Stopping-the-Clock 2012

Für 2012 haben jene Luftfahrzeugbetreiber, die Deutschland als Verwaltungsmitgliedstaat zugeordnet sind, rund 16 Millionen Tonnen CO2 berichtet. Insgesamt waren die Emissionen jedoch wesentlich höher. Emissionsschätzungen und Angaben von Eurocontrol ergeben eine Größenordnung von rund 49,5 Millionen Tonnen CO2 für Flüge, die auf europäischen Flughäfen gestartet oder gelandet sind. Somit wurden in 2012 nur 30 Prozent der ursprünglich von Deutschland verwalteten Luftverkehrsemissionen im Emissionshandel reguliert.

Diese Zahlen sind auf die Umsetzung des so genannten Stopping-the-Clock zurückzuführen. Stopping-the-Clock war ein temporäres Zugeständnis der EU, um den ICAO-Prozess zur Verhandlung einer globalen marktbasierten Maßnahme für die Regulierung der internationalen Luftverkehrsemissionen zu unterstützen. Hierbei konnten sich Luftfahrzeugbetreiber dafür entscheiden, nur für einen verminderten Umfang an Emissionen Zertifikate abzugeben (nämlich, mit einigen Ausnahmen wie z.B. die Schweiz, nur für Flüge innerhalb des EWR), wenn sie gleichzeitig auf einen Teil der kostenlos zugeteilten Emissionsberechtigungen verzichteten. Davon machten sie in einer Höhe von etwa 26,2 Millionen Emissionsberechtigungen Gebrauch.

Änderungen der Emissionshandelsrichtlinie

ab 2017

Änderungen ab 2017

Am 06.10.2016 hat die ICAO (International Civil Aviation Organization) eine marktbasierte Maßnahme zur Begrenzung der CO2-Emissionen des internationalen Luftverkehrs verabschiedet. CORSIA (Carbon Offsetting and Reduction Scheme for International Aviation) sieht ein Offsetting von CO2-Emissionen durch Projektgutschriften („Offsets“) und Emissionsberechtigungen aus Emissionshandelssystemen („Emissionsberechtigungen“) vor, um ein kohlenstoffneutrales Wachstum des internationalen Luftverkehrs ab dem Jahr 2020 zu erreichen. Die teilweise abstrakten Regelungen aus der entsprechenden Resolution A 39-3 werden aktuell in die für die Ausgestaltung von CORSIA tatsächlich relevanten Dokumente überführt. Später werden diese auch in nationales Recht überführt werden.

Die Europäische Kommission hat am 03.02.2017 den Vorschlag für eine Verordnung zur weiteren Ausgestaltung des EU-ETS im Luftverkehr (rückwirkend zum 01.01.2017) veröffentlicht.

Für Luftfahrzeugbetreiber sind folgende Regelungen von besonderer Bedeutung:

  • Der seit 2013 geltende, auf innereuropäische Flüge reduzierte geografische Anwendungsbereich („reduced scope“) soll über 2016 hinaus beibehalten werden.
  • Luftfahrzeugbetreiber sollen bis 2020 eine kostenlose Zuteilung erhalten, die der des Jahres 2016 entspricht.
  • Der lineare Kürzungsfaktor nach Art. 9 EU-Emissionshandels-Richtlinie soll ab 2021 -wie im stationären Sektor- Anwendung finden.
  • Nicht-gewerbliche Luftfahrzeugbetreiber mit jährlichen Emissionen von weniger als 1.000 t CO2 sollen bis 2030 (bisher 2020) nicht der Emissionshandelspflicht unterliegen.

Ferner verpflichtet sich die Europäische Kommission zu einem Bericht an das Europäische Parlament und den Rat, in dem über die Fortschritte der weiteren Ausgestaltung von CORSIA berichtet werden soll. Dieser Bericht soll auch den in diesem Zusammenhang ggf. nötigen Anpassungsbedarf der EU-Emissionshandels-Richtlinie aufzeigen.

Derzeit liegt der Vorschlag dem Europäischen Parlament und dem Rat zur Beratung im Rahmen des Mitentscheidungsverfahrens vor.

2013-2016

Änderungen für die Jahre 2013 bis 2016

Am 01.01.2013 begann eine neue – die dritte – Handelsperiode (2013-2020). Die bisher gültigen Monitoring-Leitlinien wurden durch die Monitoring-Verordnung ersetzt.

Die Internationale Zivilluftfahrtorganisation (ICAO) hat im Herbst 2013 eine Resolution verabschiedet, bis 2016 ein globales marktbasiertes Klimaschutzinstrument zu entwickeln, mittels dessen Luftfahrzeugbetreiber ab dem Jahr 2020 ihre CO2-Emissionen reduzieren sollen. Um diesen Prozess zu unterstützen, hatte die Europäische Union entschieden, die Emissionshandelsrichtlinie über Stopping-the-Clock hinaus vorübergehend anzupassen. Die Änderung trat am 30.04.2014 verbindlich in Kraft.

Für Luftfahrzeugbetreiber sind folgende Regelungen von besonderer Bedeutung:

  • Verbindliches Aussetzen der einbezogenen internationalen Flüge (Flüge von oder nach Flugplätzen in Ländern außerhalb des Europäischen Wirtschaftsraums) und von Flügen von und nach bestimmten Gebieten in äußerster Randlage der EU Diese Regelung gilt vom 01.01.2013 bis 31.12.2016 (Antwort Nr. LV 005).
  • Die Zuteilungsmengen werden an den reduzierten Anwendungsbereich angepasst (Antwort Nr. LV 035).
  • Ausnahmeregelungen für nicht-gewerbliche Luftfahrzeugbetreiber mit jährlichen Emissionen unter 1.000 Tonnen CO2 von 2013 bis 2020 (bezogen auf den ursprünglichen Anwendungsbereich) (Antwort Nr. LV 004).
  • Die Verifizierungspflicht entfällt für Emissionsberichte von Betreibern mit jährlich weniger als 25.000 Tonnen CO2-Emissionen (bezogen auf den ursprünglichen Anwendungsbereich), sofern der Emissionsbericht vollständig mit Daten aus der Support Facility von EUROCONTROL erstellt wurde (Antwort Nr. LV 010).

Daten und Fakten

Daten und Fakten zum Luftverkehr im EU-ETS
ZieleZielwerte

(1) Absolute Zahlen beziehen sich auf ursprünglichen Anwendungsbereich (so genannter full scope) der Emissionshandels-Richtlinie
Reduktionsziele 2012
und 2013-2020
-3% (2012) und -5% (ab 2013) im Vergleich zum Durchschnitt von 2004-2006 (Basislinie), d.h. das Cap liegt bei 97% bzw. 95%
Reduktionsziel der EU in absoluten Werten (1)Basislinie: 221,4 Mio. t CO2
Cap 2012: 214,8 Mio. t CO2
Cap 2013-2020: 210,4 Mio. t CO2
Teilnehmer am Emissionshandel im Luftverkehr (1)fast 6000 internationale Luftfahrzeugbetreiber aus mehr als 150 Ländern, für 500 davon ist Deutschland zuständig
Kostenlose Zuteilung (1)

85% der Zertifikate 2012
82% der Zertifikate ab 2013

nach europaweit einheitlichem Benchmark (von der EU-Kommission berechnet):
2012: 0,6797 Emissionsberechtigungen pro 1000 Tonnenkilometer
2013-2020: 0,6422 Emissionsberechtigungen pro 1000 Tonnenkilometer

129 Luftfahrzeugbetreiber, die in Deutschland einen Zuteilungsantrag gestellt haben, erhalten:
42,8 Mio. Zertifikate 2012
40,5 Mio. Zertifikate ab 2013

Reserve3% der Zertifikate ab 2013
Versteigerungsquote15% der Zertifikate

19.04.2017

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